Freitag, 23. November 2012

Ab in die Pampa

Diese Woche hat es endlich mit der Klassenfahrt geklappt, welche vor jetzt schon über einem Monat wegen Regens nicht stattfinden konnte. Jetzt bin ich aber nicht mit der 7. Klasse, wie damals vorgesehen gefahren, sondern mit der 6. Es geht dabei immer auf ein Grundstück etwas nördlich von Buenos Aires, welches die Schule besitzt. Dort soll eigentlich jede Woche eine Klasse hinfahren, aber aufgrund von Regen und den dortigen Straßenverhältnissen, ist es oft mehrere Wochen lang nicht möglich. Das Ganze befindet sich gut 80 Kilometer außerhalb von Buenos Aires, wo man von einer Landstraße aus noch ungefähr 15 Kilometer auf Feldwegen fahren muss. Dieser Teil wird nach dem kleinsten Regen unüberwindlich für jedes nicht vierrädrig angetriebene Auto.
Auf dem Weg aus der Stadt fährt man dabei durch sämtliche Vorstädte von Buenos Aires, welche langsam immer größeren Fabriken weichen, neben denen sich meist große Armenviertel befinden, wo wahrscheinlich die Arbeiter rekrutiert werden. Außerdem gibt es dort außerhalb der Stadt große Wohnresorts mit gefängnisartigen Mauern drumherum (wobei der Stacheldraht natürlich nach außen gerichtet ist), in welchen sich edelste Villenviertel und Hotels befinden. Dazu viele Seen und künstliche Hügel. Man kann sich hier also seine Welt, mit dem nötigen Kleingeld so schön machen, wie man sie gerne hätte. 
Die Schule besitzt dort also ein ca. 70 Hektar großes Stück Land, welches von einem eigens angestellten "Gaucho" bestellt wird (vornehmlich Weideland für Kühe, Schafe etc.) und auf dem sich, in einem bewaldeten Stück, mehrere selbstgebaute Häuser (weit und breit kein Strom!) für die Klassen befinden. Das Land gehörte ursprünglich Bauern, welche die Schule kannten und ihr das Land vererbt haben. Die Klassen bauen dann dort entweder neue Häuser und Ställe oder Pflanzen Bäume entlang der Felder oder bestellen den Garten.
Wir waren also von Mittwoch bis Freitag dort. Leider hat es Donnerstag etwas geregnet, sodass wir heute (Freitag) keine Gefährt dorthin beordern konnten für das Gepäck und die Fahrräder, mit denen die Schüler einen Teil des Hinweges gefahren waren. Das Gepäck und die Fahrräder wurden also dort gelassen und wird sind eine Stunde über Felder, Bäche und Zäune zu einer anderen, nähergelegenen Straße gelaufen und wurden dort abgeholt. 
Die ganze Fahrt war echt schön, da man mal wieder aus der Stadt rauskam und dort die Weite und Ruhe der Pampa erleben konnte, die sich hier ja endlos viele Kilometer um Buenos Aires und durch die ganze Mitte Argentiniens erstreckt. Außer der Klassenlehrerin war noch der Gartenbaulehrer der Schule dabei, der diese Fahrten immer leitet und gut Deutsch spricht, da seine einen Großeltern Deutsche waren, die 1930 in das nördlicher gelegene Missiones (immer noch eine sehr deutsche Region) ausgewandert sind. Er ist der langgedienteste Lehrer der Schule und konnte mir, endlich mal ohne Sprachbarriere, ganz interessant schildern wie die Schule zur Anfangszeit aussah und wie z.B. die Stimmung in Argentinien während der Militärdiktaturen war. Er war auch Waldorfschüler an einer anderen Schule in Buenos Aires gewesen und schon als Schüler oft auf das Stück Land gefahren, damals noch in der Hand der Bauern.
Das Wochenende vorher habe ich, mit ein paar anderen Freiwilligen aus Buenos Aires, die Freiwilligen auf La Choza besucht, bei denen man sich ernsthaft gefragt hat, wie sie die heißen Tage auf den Feldern ohne Schatten überlebt haben. Anscheinend war es aber weniger problematisch als gedacht.
Außerdem hab ich mir hier schon vor längerer Zeit ein Longboard gekauft (eine Art Skateboart, nur länger mit größeren Rollen) mit dem ich mir immer mehr die Umgebung anschaue. Letzte Woche war ich damit hier am Ufer des Rio de la Plata, wo es auch Berge gibt zum herunterfahren (ansonsten ist Buenos Aires vollkommen platt). Auf jeden Fall hab ich dort eine große Gruppe anderer Longboarder getroffen, die dort regelmäßig fahren. Hoch gehts dabei dann immer mit Autos, die kurz anhalten, sodass man sich festhalten kann und einen dann hochziehen. Dort werde ich also denke ich öfters mal vorbeischauen. 
Ansonsten wird es immer wärmer und trotzdem wird alles auf Advend und Weihnachten getrimmt. Ein völlig komisches Gefühl in jedem Geschäft Weihnachtsmänner und Rehntiere zu sehen und dabei in 30°C unterwegs zu sein. Diese Woche hatten wir dabei aber nicht viel Arbeit, da der Hausmeister einen Hexenschuss hat und uns daher nicht wirklich Arbeiten geben konnte. 
Im Anhang also noch Bilder der Klassenfahrt,
Saludos 
David 

 
Mit dem Bus über den noch trockenen Feldweg






Platt und Felder so weit das Auge reicht

Ausgelaugtes und verbranntes Sojafeld des Nachbarbauerns


Tor zum Schulgrundstück




Sonntag, 11. November 2012

argentina, sunshine and happiness

Nachdem ich hier letztes Mal vom sich anbahnenden Sommer gesprochen hab, hat sich dieser ganz gut entwickelt gehabt. Wir hatten hier bis Donnerstag andertalb Wochen puren Sonnenschein. Was am Anfang noch ganz schön war, da man viel draußen machen konnte, war am Ende echt anstrengend. Tagsüber immer deutlich über 30 Grad im Schatten, von Temperaturen in der Sonne ganz zu schweigen und nachts auch nie unter 28 Grad. Dazu 70% Luftfeuchtigkeit, sodass man nur einen Finger bewegen musste und schon anfing zu schwitzen. Zum Glück wirkten auch die Argentinier sehr angestrengt durch das Wetter, man hatte also nicht das Gefühl, dass es im Sommer dann nochmal wesentlich heißer wird. Anscheinend war es eben auch untypisch warm für den Frühling. An den letzten Tagen gab es dann andauernd Stromausfälle, die auch die ganze Innenstadt betrafen und dort anscheinend ein ziemliches Verkehrschaos ausgelöst haben (die Ampeln haben ja nicht funktioniert). Ist nen bisschen die Frage, ob das einfach ne Sache von Überlastung aufgrund der vielen Klimaanlagen war oder andere Gründe hatte. Jedenfalls hatte es hier eigentlich seit Jahren keine größeren Stromausfälle mehr gegeben. Für uns hieß dies dann Kochen mit Taschenlampe zwischen den Zähnen und Essen im Kerzenschein;-)
Am Freitag gabs dann ein krasses Gewitter, bei dem wieder sämtliche Straßen abgesoffen sind und seitdem ist es kühl. Ganz interessant war, dass 5 Minuten vor der Gewitterfront eine riesen Wolke Libellen unterwegs war, die anscheinend von überall her vor dem Gewitter flohen und sich eben in einer großen Wolke über das Schulgelände verteilt haben. Plötzlich war die ganze Luft erfüllt von unendlich vielen Libellen, genau so, wie man sich eine Heuschreckenplage vorstellt, nur halt Libellen, die es hier eigentlich nicht übermäßig viel gibt. Das Phänomen hatte auch noch kein Lehrer der Schule jemals so erlebt. Nachdem das Gewitter vorbei war, dachte man eigentlich, dass die Libellen weitergezogen wären, aber viele haben bis zum nächsten Tag am Schulzaun übernachtet (siehe Fotos) und gestern war dann wieder alles voll mit Libellen. Eine sehr komische Atmosphäre. 
Ansonsten war hier dieses Wochenende ein Flohmarkt an der Schule, zu dem Eltern ihren ganzen alten Kram gebracht hatten und den dann zu Gunsten der Schule verkauft haben. Gemessen an dem, was hier vorbeigebracht wurde, merkte man dabei, dass diese Schule hauptsächlich von Schüler aus relativ gut betuchten Familien besucht wird. Von älteren Flachbildfernsehern bis zu Apple-Computern war alles dabei. Alles Sachen, die man nicht unbedingt bei den meisten Argentiniern in den Wohnungen vermuten würde...
Dieses Wochenende waren wir wieder mit anderen Freiwilligen unterwegs und sind gestern Nacht bei Argentiniern in der Wohnung gelandet, wo man mal sehen konnte, wie hier die ganz reichen leben. Im schönsten Villenviertel mit vielen Parks in einem sehr edlen Apartmenthaus mit Portier und Aufzug direkt in die Wohnung. Das ganze dann um die Ecke von der Innenstadt und der Avenida 9 de Julio. Auf dem Weg dahin viel dann wieder die argentinische Zeitauffassung auf. Nachts um 2 Uhr sind immernoch alle Restaurants voll mit Menschen (gerade gereifteren Alters), die sich ihre Fleischplatten genehmigen und keinesfalls so wirken, als wollten sie bald nach Hause.
Viele Grüße also ins kalte Deutschland und wo sonst noch dieser Blog gelesen wird,
David 
Kochen mit Taschenlampe (mit Blitz aufgenommen)

Kochen mit Taschenlampe (ohne Blitz)

candle light dinner


Libellen an unserem Zaun

... und fliegenderweise

Donnerstag, 1. November 2012

Einen Monat Argentinien, Steak und Großstadt

Und schon ist der erste Monat rum. 
Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Spanisch (oder Castellano, wie die ihre Sprache hier nennen) deutlich besser geworden ist und inzwischen für sämtliche Alltagssituationen ausreicht (natürlich noch mit Fehlern, aber man versteht mich). Außerdem findet man sich in der Stadt immer besser zurecht, mit all den Unterschieden zu Deutschland (Busse, Öffnungszeiten, der Größe der Stadt etc.).
Ein paar Unterschiede seien hier mal zum Besten gegeben: Mein Mitfreiwilliger ist Vegetarier und nach den ersten Wochen muss man sagen, dass dieses fleischgeile Land nichts für diese Art von Mensch ist. Wenn man hier ausdrücklich sagt, dass man Vegetarier ist, bekommt man einfach Gerichte mit Hühnchen, Schinken oder sonstigem Schweinefleisch angeboten. Vegetarier sind hier anscheinend nur Rindverächter. 
Weiter gibt es hier zwar Mautstationen, wie man sie aus Italien kennt, allerdings kommt es oft vor, dass bei langen Schlangen einfach alle anfangen zu Hupen und kurze Zeit später werden alle Schranken geöffnet und man kann durchfahren. Überhaupt ist das Verkehrssystem seltsam. Ich habe ja schon von den irrsinnig vielen Bussen geschrieben, die einem das Leben schwer machen (ich fahre mittlerweile eigentlich nur noch Bahn und U-Bahn). Bis vor kurzem war es dann zusätzlich noch so, dass alle in den Bussen bar zahlen mussten, Monatskarten oder so etwas gab es nicht. Das Problem war, dass man nur mit Münzen zahlen konnte, es aber eigentlich nur Papiergeld gibt. Daraus ergab sich in dieser Riesenstadt ein Münzmangel, sodass zum Teil 1 Peso Münzgeld für 2 Peso Papiergeld auf der Straße verkauft wurden. Vor einigen Monaten wurde nun ein neues System mit einer Guthabenkarte eingeführt, mit der man in jedem Bus/Bahn/U-Bahn bezahlen kann und die man an jedem Kiosk aufladen kann. Ich hab also Glück. Ansonsten sind die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sehr niedrig. Ich zahle z.B. 90 Centavos (15 Cent) für die halbe Stunde Zugfahrt in die Innenstadt.
Das mit dem Geld ist hier eh so eine Sache. Hier ist im Moment eine krasse Inflation im Gange die im 25% beziffert wird. Wegen der sich anbahnenden Flucht in andere Währungen hat man deren Erwerb hier jetzt komplett unterbunden. Man kommt also als Argentinier an keiner Bank mehr an ausländischen Währungen. Dafür wird man als Ausländer jetzt aber an jeder Ecke angesprochen, ob man nicht Euros oder Dollars dabei hat, die man dann zum andertalbfachen des wirklichen Kurses eintauschen kann. Von der Regierung wird diese Inflation derweil einfach geleugnet, obwohl selbst ich, allein in diesem einen Monat deutliche Preissprünge mitbekommen habe. Leider kommt der Euro im Umtauschkurs nicht ganz mit, weswegen Argentinien nicht wirklich billiger ist als Deutschland wenn es um Essen, Kleidung oder Eintrittspreise geht. Dazu kommt noch, dass der größte Schein, der 100 Pesoschein ist, also sagenhafte 17 Euro. Man rennt also immer mit großen Bündeln Geld herum, wenn man mal etwas mehr bezahlen muss.

So, am Wochenende war ich wieder in der Stadt unterwegs, einmal im Stadtteil La Boca. Einem ärmlichen Stadtteil der Hafenarbeiten, die früher immer die Reste der Schiffslacke für ihre Häuser bekommen haben und daher das ganze Stadtviertel bunt war. Mittlerweile beschränkt sich dass noch auf drei kurze, für Touristen aufgemachte Straßen, die inmitten des ansonsten völlig durchschnittlichen Stadtteils liegen. Da ist dann aber der Bär los und alles voll mit Touristen, Tangotänzern und Boca Juniors Fanshops. Als ich da war, fand zufällig auch gerade das wohl sehr brutale Stadtderby Boca Junios vs. Riverplate (der arme Süden "Boca" gegen den reichen Norden "River Plate" der Stadt) statt. Zwar im River Plate Stadion, welches bei uns um die Ecke im Norden liegt, aber trotzdem waren die Straßen voll mit Boca-Fans, die ihre Fernseher auf der Straße aufgebaut hatten und alle am gucken waren. Auf dem Rückweg hab ich dann die ganzen River-Fans getroffen, die aus dem Stadion strömten.
Danach hab ich mir dann noch das, dem Capitol in Washington nachempfundene Nationale Capitol angeschaut. 
Heute war ich mal bei einem Volleyballverein in der Nähe zum Probetraining. Zwar haben die bald Sommerpause, aber danach fange ich dann denk ich da an. Sport ist einfach die beste Methode hier mit Leuten aus dem Viertel in Kontakt zu kommen. 
Mittlerweile haben wir hier übrigens, sobald die Sonne scheint, gut 27-30 Grad. Der Sommer bahnt sich also an.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
Hafenanlagen in La Boca

Touristenecke in La Boca

Touristen, Touristen, Touristen


Public-Viewing in Argentinien

Die besagten Häuser

La Bombonera (Stadion von La Boca) erhebt sich über das Viertel

Avenida 9 de Julio, die breiteste Prachtstraße der Welt (Argentinier kennen nur Superlative, die Wahrheit der Aussage wird bezweifelt)

Das Capitol