Mittwoch, 24. Oktober 2012

Jaja, manchmal arbeiten wir auch

An dieser Stelle jetzt endlich mal etwas zu der Arbeit, die ich hier verrichte. Ich bin hier an einer Waldorfschule zusammen mit einem anderen Freiwilligen der Hilfshausmeister. Das heisst, es gibt einen festangestellten Hausmeister, welchen wir unterstützen. Außerdem gibt es noch einen Pförtner, der ebenfalls viele Tätigkeiten übernimmt, die Sache von Hausmeistern sind.
Ein Tag sind dann folgendermaßen aus, wir stehen morgens gegen 7:30 auf, frühstücken und treffen uns um 8 mit dem Hausmeister an der Werkstatt. Er erklärt uns dann, was am Tag so alles zu tun sei oder bespricht mit uns, was man am besten als nächstes machen könnte. Oft sind es Reparaturarbeiten, die ihm von Lehrern oder den Kindergärtnerinnen des nahegelegenen Waldorfkindergartens angetragen worden sind: Stühle reparieren, Gardinen aufhängen, bei Veranstaltungen Stühle und Tische herumtragen, Rasen mähen, Müll aufsammeln, Schlösser und Steckdosen austauschen oder den ständig kaputten Basketballkorb reparieren usw. Außerdem gibt es immer wieder größere Baustellen, an denen man dann mehrere Tage arbeitet. So z.B. ein Rondell, welches wir in der letzten Woche gemauert haben oder ein kleiner Teich, der kurz vor meiner Ankunft gebaut wurde. 
Diese Tätigkeiten gehen dann so bis 10 Uhr, bis wir uns zum Pförtner setzen und Mate trinken. 
Für alle die es nicht kennen: Yerba Mate ist ein Strauch der im Norden von Argentinien wächst und dessen stark koffeinhaltige Blätter in ganz Argentinien mit heißem Wasser aufgegossen in extra Matebechern (meist ein bearbeiteter Kürbis) mit einem eisernen Strohhalm getrunken werden. Dabei wird der Becher fast bis oben hin mit den geschredderten Blätten gefüllt und immer nur ein paar Schluck heißes Wasser aufgegossen. Das ganze wirkt dann wie ein Ritual, es wird immer nur aus einem Becher getrunken, der reihum geht und immer vom Besitzer des Bechers neu mit Wasser gefüllt wird. Das Zeug ist extrem stark und je nach Sorte gerne mal bitter aber eben gut aufputschend. 
Die ersten Missionare hatten es anfangs wohl einige Zeit verboten, bis sie merkten, dass die Indianer wesentlich härter arbeiten konnten, solange sie ihren Mate hatten. 
Man trinkt Mate hier überall, bei Arbeiten, im Unterricht oder beim Einkaufsbummel, deswegen rennen hier auch alle mit Thermosflaschen unter dem Arm und dem Becher mit Bombilla (Strohhalm) in der Hand herum.
Das geht dann jedenfalls im Schnitt bestimmt eine halbe Stunde, bevor man die Arbeit bis 12:30 Uhr fortsetzt. Dann haben wir bis 13:30 Mittagspause und arbeiten danach noch bis 16/16:30 Uhr weiter. Am Anfang hatte ich kaum glauben können, dass die für mein Verständnis relativ kleine Schule genug Arbeit für die vielen Arbeitskräfte abwerfen könnte, aber bisher waren wir immer gut beschäftigt. Was vielleicht auch an den vielen provisorisch geflickten Gegenständen in der Schule liegt, die nie besonders lange halten. Der typische Argentinier flickt wohl eh nur alles mit Draht, wie es im Volksmund heisst (für die Kanadier war das Wundermittel damals das duct tape). Besonders haltbar ist das natürlich nicht.
So arbeiten wir 5 1/2 Tage die Woche (Montags bis Samstagmittag), wobei wir uns einen Nachmittag freinehmen dürften, diesen jedoch im Moment lieber als jeweils halben Ferientag ansparen.
Die Schule selber besteht, ähnlich wie die dortmunder Schule aus zwei Hauptgebäuden (nur kleiner) für die Ober- und Unterstufe und wurde vor ich glaube um die 50 Jahren von einer Deutschen gegründet. Diese Frau wohnt immernoch in der Nähe, ist jedoch mittlerweile schwer dement und kommt nur selten auf das Schulgelände.
Eigentlich hatte ich heute mehrere Fotos gemacht, leider sind viele davon aus unerklärlichen Gründen nicht zu öffnen, ich werd also morgen nochmal neue machen. Hier aber schonmal ein paar:

Roberto, der Pförtner


Der Hausmeister an unserem Rondell

Unsere Werkstatt


Blick über die Schule
Mate-Pause


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Puerto Madero, Klassenfahrt und Stromausfall

Die Woche bisher war noch nicht besonders spektakulär, da es die letzten Tage viel geregnet hat und man deswegen schlecht rauskam. Aber trozdem gab es interessante Dinge. 
Am Sonntag war ich mit drei weiteren Freiwillige, welche nach der Geburtstagsfeier einer Freundin am Samstag bei uns übernachtet haben in der Innenstadt und wir wollten uns das moderne Hafenviertel Puerto Madero und das dahinterliegende Naturschutzgebiet anschauen. Leider fiel unser Zug aus, da jemand kurz zuvor darunter geraten war, sodass wir auf Busse umsteigen mussten. Eigentlich ist es kein Wunder, dass hier so etwas passiert, wo alle Türen der Züge stehts offen stehen und Leute auf den Stufen davor sitzen. 
Jedenfalls haben wir uns in Richtung Puerto Madero aufgemacht, welcher direkt an die Innenstadt angrenzt, aber ein fast gegensätzliches Bild aufweist als der Rest der Stadt. Während die Innenstadt eng, voll, laut, dreckig und wenig grün ist (ohne das jetzt negativ zu bewerten, es ist denke ich halt einfach südamerikanisch), ist Puerto Madero weit, modern, clean und grün. Man kann den Stadtteil ein wenig mit der Speicherstadt in Hamburg vergleichen: ein ehemals hässliches Hafenviertel, was in den letzten Jahren durch moderne Bauten veredelt wurde. Mittenhindurch durch den Stadtteil geht ein Kanal, welcher die Insel auf der Puerto Madero liegt vollständig vom Festland trennt. Dahinter liegt ein großes Naturschutzgebiet, welches am Wochenende Ausflugsziel für tausende Porteños (Bewohner von Buenos Aires) ist. Auf der Insel fühlt man sich auf jeden Fall, wie in einer anderen Stadt, obwohl man nur 500 Meter vom Plaza de Mayo entfernt ist. Hier erkennt man auch das weltstädtische, welches einem in den engen Straßen von Buenos Aires sonst nicht so auffällt. Bilder gibt es weiter unten.
Mitte dieser Woche sollte ich dann eigentlich mit der 7. Klasse der Schule auf Klassenfahrt gehen, leider hat es die Tage vorher zu stark geregnet, sodass das Ziel der Fahrt, ein schuleigenes Stück Land in der Pampa, über die unbefestigten Straßen nicht mehr zu erreichen war. Wahrscheinlich wird die Fahrt aber in zwei Wochen nachgeholt, sodass ich dann mitkann. 
Außerdem kann ich berichten, dass wir seit zwei Tagen keinen Strom mehr haben. Leider sind die Sicherungen des Hauses dermaßen alt, dass sie nichtmehr produziert werden, sind aber so angebracht, dass sie bei starkregen Regen nass werden und kapputt gehen. Die Stromgesellschaft, die eigentlich nach 3 Stunden kommen und neue Sicherungen mitbringen wollte, ist leider immernoch nicht gekommen und ist nur immer "auf dem Weg und gleich da" wenn man sie anruft. Wir haben jetzt ein Kabel aus der Schule zu uns rüberliegen, können aber leider neben dem Kühlschrank nur begrenzt Geräte anschließen, da es sonst die Steckleiste überlastet. Aber wie ihr seht, komme ich noch ins Internet, allzu schlecht ergeht es uns also auch nicht;-) 
In den nächsten Tagen werde ich mir dann mal Zeit nehmen, etwas mehr über die Arbeit und meine Arbeitstage zu schreiben. Hier hört sich ja alles noch nach Tourileben an, obwohl ich eigentlich 5 1/2 Tage die Woche arbeite...
Grüße aus Buenos Aires
David 
Die Plaza de Mayo

Blick auf den Obelisken

Innenstadt

Puerto Madero

Aha, eine Naturschutzgebiet also. Müllentsorgungsgesellschaft Rio de la Plata


deutsche Ingenieurskunst in Argentinien

Puerto Madero



Samstag, 13. Oktober 2012

Die Zweite Woche

Am Dienstag war ich also auf dem internationalen Kneipenabend in der Innenstadt. Eine echt geniale Veranstaltung: diesen Dienstag waren es ungefähr 50 Leute aus aller Herren Länder, die aus welchen Gründen auch immer gerade in Buenos Aires sind und andere Menschen kennenlernen wollen. 
Man klebt sich bei dem Treffen erst einmal die Flagge des Herkunftslandes an die Brust und dann je nach Sprachvermögen die jeweiligen Flaggen darunter, es ist also relativ einfach herauszufinden, woher das Gegenüber kommt und ob man sich mit ihm unterhalten kann. Ich habe unter anderen mit Kolumbianern, Kanadiern, US-Amerikanern, Deutschen, Österreichern, Uruguayern, Argentiniern, Chilenen und Spaniern geredet, die zum Teil als Studenten, als Backpacker, auf Geschäftsreise oder halt weil sie hier schon immer wohnen in Buenos Aires waren. Ich war mit meinem Mitbewohner dort und fast hätten wir den letzten Zug um 1 Uhr verpasst, weil die Veranstaltung sich noch nicht im Mindesten aufzulösen begann und man die Zeit komplett vergessen hat. Also ein wöchentliches Event haben wir jetzt auf jeden Fall schonmal, um die sonst recht unspektakulären Feierabende zu füllen.
Donnerstag hab ich mich dann mal auf einem alten Fahrrad was hier rumstand Richtung Rio de la Plata aufgemacht. Bis zum Ufer sind es von hier nur 5km, allerdings ist das Wasser leider zu verschmutzt zum Baden. Trotzdem ist das Ufer echt schön, mit einem Naturschutzgebiet, zig Windsurfschulen und vielen Parks. Dazu ist dort ein absolutes Reichenviertel, was dementsprechend schön ist. Der Blick der sich von da bietet mach es dann auch nochmal lohnenswert, da man links das Delta des Paranas sieht und rechts auf die Skyline von Buenos Aires gucken kann, welche auf der anderen Seite einer Bucht liegt und dementsprechend nicht verdeckt ist (siehe Bilder). 
Heute ist richtig gutes Wetter (in der Sonne wird es jetzt schon 30°C warm) und ich schau mal, dass ich später in die Stadt fahre um mir mal das moderne Hafenviertel anzuschauen. 
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
Paranadelta

Skyline




 

 

Montag, 8. Oktober 2012

Nach einer Woche

Und schon ist die erste Woche vergangen... 
Mittlerweile war ich mehrfach im Zentrum, hab mich in das hiesige Mobilfunknetz eingegliedert und kann vom Nachtleben der Stadt berichten.
Also, nachdem am Mittwoch wieder ein diesiger Tag war (man merkt das der Frühling grad erst begonnen hat), bin ich am Donnerstag nach der Arbeit endlich mal Richtung Stadt gefahren. Wir wohnen hier ja etwas außerhalb, haben aber in ca. 2km Entfernung einen Bahnhof, von welchem Züge direkt bis zum Hauptbahnhof fahren. Man ist also, wenn man Glück hat, in 45 Minuten in der Innenstadt. Im Bus zur Plaza de Mayo, einem der zentralen Plätze in Buenos Aires, an dem auch die Casa Rodada (Amtssiz des Staatspräsidenten) und das Rathaus stehen, wurde ich von einer Frau gewahrnt, dass es heute wohl sehr gefährlich werden würde in der Innenstadt. Irgendwas mit vielen Menschen und Polizisten. Genau rüberbringen, worum es sich handelte konnte sie nicht. Gepaart mit den hunderten Warnungen aller möglichen Leute vor der gefährlichen Innenstadt, war auch diese Dame nicht besonders hilfreich. Letztendlich bin ich aber weitergefahren und bin auf eine, zu diesem Punkt, absolut friedliche Demo gestoßen. Am Obelisken entlang bin ich dann wieder Richtung Bahnhof gelaufen und war abends wieder in Villa Adelina. Fotos kann ich leider noch nicht vorweisen, da mir geraten wurde, bei der ersten Fahrt in die Stadt, welche entlang entlang diverser Villas führt (argentinische Variante von Favelas), noch keine unnötigen Wertgegenstande mitzunehmen. Jedenfalls war es schonmal ein erster Eindruck. 
Freitag hab ich dann mal ausprobiert hier zu joggen. Leider ist die Situation hier absolut suboptimal. Man läuft im Feierabendverkehr an riesigen Straßen entlang und über Kreuzungen ohne Ampeln. Ich muss mir also irgendwie andere Möglichkeiten zum Sportmachen suchen.
Samstag waren hier 6 andere Freiwillige der "Freunde" zu Besuch, eigentlich nur zum Grillen und Chillen, letztendlich sind wir aber noch zu Bekannten des einen in die Stadt gefahren, welche wiederum um 5 Uhr morgens auf die Idee kamen, noch in eine Bar/Disko zu gehen. Da sind wir so um 5:30 Uhr angekommen, es dämmerte sage und schreibe bereits, und sind bis Ladenschluss um 8 geblieben. 
Irgendwie essen die Argentinier also nicht nur spät zu abend, sondern haben das Konzept auch auf die sonstige Nachgestaltung ausgedehnt. 
Auf jeden Fall hatte eine Freiwillige für den Sonntagmorgen Gratiskarten für das berühmte Teatro Colon geholt, wo um 11 Uhr ein Percussionkonzert auf dem Programm stand. Nach einem kurzen Frühstück bei einer zentral wohnenden Freiwilligen sind wir, mittlerweile nur noch zu viert unterwegs, also dahin. Ein total beeindruckendes Gebäude wie aus einem Film und sehr bequemen Sitzen, welche geradezu zum Schlafen verleitet haben. Zum Glück war das Konzert echt gut, sodass ich nicht eingeschlafen bin. Nach einem Rundgang durch die Innenstadt war ich dann Sonntagnachmittag wieder zu Hause. Ich würd also sagen, eine würdiges erstes Wochenende in Buenos Aires;-)
Heute war Kolumbustag, bzw. ist der erst am 12., wurde aber aus Gründen der Wochenendeverlängerung auf heute verlegt (ein Argentinier hat ihn mir sarkastisch als den Tag, an dem man das Ende der Indiana feiert erklärt). Auf jeden Fall hatten wir frei und ich konnte mich mal meinem Spanischkurs in Buchform widmen. 
Morgen werde ich in die Innenstadt zu einem wöchentlich stattfindenden Sprachtreffen gehen, wo anscheinend alle möglichen Leute mit Fremdsprachbedürfnissen hinkommen. Wahrscheinlich vornehmlich Freiwillige oder Argentinier die gerade eine Fremdsprache lernen. Auf jeden Fall hoffentlich eine Gelegenheit auch mal Einheimische besser kennenzulernen...
Also, schönen Gruß aus Buenos Aires
David

Dienstag, 2. Oktober 2012

Erste Tage



So, hier mal ein kleines Update. Die beiden ersten Arbeitstage sind schonmal problemlos verlaufen, ich durfte Haken aufhängen, Fliesen legen, Schlösser reparieren usw. Da der Chefhausmeister ein bisschen Englisch kann, war die Verständigung gut möglich. Trotzdem versucht er und auch ich immer wenn es geht Spanisch zu sprechen. Das Sprechen klappt da schon ganz gut, größere Probleme bereitet das Verstehen;-) Heute war ein Regentag, aber morgen fahre ich dann vielleicht nach der Arbeit endlich mal ins Zentrum. Hier nochmal ein paar Bilder von der Schule und meiner Hütte:
Unsere Straße. Rechts das Schulgelände, links ein Golfplatz

Das Schultor

Unsere Hütte

Schuleingang