Ein Tag sind dann folgendermaßen aus, wir stehen morgens gegen 7:30 auf, frühstücken und treffen uns um 8 mit dem Hausmeister an der Werkstatt. Er erklärt uns dann, was am Tag so alles zu tun sei oder bespricht mit uns, was man am besten als nächstes machen könnte. Oft sind es Reparaturarbeiten, die ihm von Lehrern oder den Kindergärtnerinnen des nahegelegenen Waldorfkindergartens angetragen worden sind: Stühle reparieren, Gardinen aufhängen, bei Veranstaltungen Stühle und Tische herumtragen, Rasen mähen, Müll aufsammeln, Schlösser und Steckdosen austauschen oder den ständig kaputten Basketballkorb reparieren usw. Außerdem gibt es immer wieder größere Baustellen, an denen man dann mehrere Tage arbeitet. So z.B. ein Rondell, welches wir in der letzten Woche gemauert haben oder ein kleiner Teich, der kurz vor meiner Ankunft gebaut wurde.
Diese Tätigkeiten gehen dann so bis 10 Uhr, bis wir uns zum Pförtner setzen und Mate trinken.
Für alle die es nicht kennen: Yerba Mate ist ein Strauch der im Norden von Argentinien wächst und dessen stark koffeinhaltige Blätter in ganz Argentinien mit heißem Wasser aufgegossen in extra Matebechern (meist ein bearbeiteter Kürbis) mit einem eisernen Strohhalm getrunken werden. Dabei wird der Becher fast bis oben hin mit den geschredderten Blätten gefüllt und immer nur ein paar Schluck heißes Wasser aufgegossen. Das ganze wirkt dann wie ein Ritual, es wird immer nur aus einem Becher getrunken, der reihum geht und immer vom Besitzer des Bechers neu mit Wasser gefüllt wird. Das Zeug ist extrem stark und je nach Sorte gerne mal bitter aber eben gut aufputschend.
Die ersten Missionare hatten es anfangs wohl einige Zeit verboten, bis sie merkten, dass die Indianer wesentlich härter arbeiten konnten, solange sie ihren Mate hatten.
Man trinkt Mate hier überall, bei Arbeiten, im Unterricht oder beim Einkaufsbummel, deswegen rennen hier auch alle mit Thermosflaschen unter dem Arm und dem Becher mit Bombilla (Strohhalm) in der Hand herum.
Das geht dann jedenfalls im Schnitt bestimmt eine halbe Stunde, bevor man die Arbeit bis 12:30 Uhr fortsetzt. Dann haben wir bis 13:30 Mittagspause und arbeiten danach noch bis 16/16:30 Uhr weiter. Am Anfang hatte ich kaum glauben können, dass die für mein Verständnis relativ kleine Schule genug Arbeit für die vielen Arbeitskräfte abwerfen könnte, aber bisher waren wir immer gut beschäftigt. Was vielleicht auch an den vielen provisorisch geflickten Gegenständen in der Schule liegt, die nie besonders lange halten. Der typische Argentinier flickt wohl eh nur alles mit Draht, wie es im Volksmund heisst (für die Kanadier war das Wundermittel damals das duct tape). Besonders haltbar ist das natürlich nicht.
So arbeiten wir 5 1/2 Tage die Woche (Montags bis Samstagmittag), wobei wir uns einen Nachmittag freinehmen dürften, diesen jedoch im Moment lieber als jeweils halben Ferientag ansparen.
Die Schule selber besteht, ähnlich wie die dortmunder Schule aus zwei Hauptgebäuden (nur kleiner) für die Ober- und Unterstufe und wurde vor ich glaube um die 50 Jahren von einer Deutschen gegründet. Diese Frau wohnt immernoch in der Nähe, ist jedoch mittlerweile schwer dement und kommt nur selten auf das Schulgelände.
Eigentlich hatte ich heute mehrere Fotos gemacht, leider sind viele davon aus unerklärlichen Gründen nicht zu öffnen, ich werd also morgen nochmal neue machen. Hier aber schonmal ein paar:
| Roberto, der Pförtner |
| Der Hausmeister an unserem Rondell |
| Unsere Werkstatt |
| Blick über die Schule |
| Mate-Pause |
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