Mittwoch, 30. Januar 2013

Sommerferien

Wie ich so mitbekommen hab, hattet ihr in Deutschland ja einen, zumindest im Januar, ganz schönen Winter mit Schnee und Kälte. Von hier kann ich nur sagen, das sich der Sommer auch nicht hat lumpen lassen. Gerade die letzte Woche hat die Sonne hier gut geknallt, sodass wir öfters schon um 7 Uhr angefangen haben zu arbeiten, um die Mittagssonne etwas zu vermeiden.
Dazu kommt dann noch, dass große Hitze hier immer mit Stromausfällen und Problemen mit dem Internet einhergeht. Wegen eines zu großen Zuwachses an energiefressenden Geräten in den letzten Jahren, die, wie z.B. Kühlschränke, Klimaanlagen und Belüftungsanlagen, gerade bei heißem Wetter auf vollen Touren arbeiten, ist das Stromnetz hier überlastet. Mich tangiert das nicht allzu sehr, aber da auch die Ampeln von den Stromausfällen betroffen sind, ist im Zentrum wohl immer ein ziemliches Chaos. Auf jeden Fall kann man schon fast am Thermometer und der Uhr errechnen, wann der nächste Stromausfall fällig ist. Immer Mittags, wenn es sich auf die 40 Grad in der Sonne zu bewegt und Abends, wenn alle zu Hause sind und zusätzlich noch die Lampen angeschaltet werden, sitzt man schnell ohne Strom da. Dass heißt dann also bei Kerzenschein lesen oder, wie jetzt gerade, einfach schon mal ohne Internet was schreiben, um das dann später, wenn man wieder Internet hat alles nur noch schnell abschicken zu müssen.
Ansonsten haben wir die letzten Wochen hier, wie schon beschrieben, mit größeren Arbeiten zugebracht. Unter anderem haben wir einen kleinen Laden, in dem es z.B. die Erzeugnisse des Hofes „La Choza“ verkauft werden, dort wo er stand abgebaut und weiter hinten auf dem Schulgelände wieder aufgebaut. Er musste Platz machen für eine Betonfläche für den Sportunterricht. Außerdem wurden diverse Klassenräume wieder aufgepäppelt, ob es nun fehlende Fußleisten, kaputte Schränke oder alte Fenster waren.
Jetzt geht es für mich noch bis zum Ende dieser Woche normal weiter und am Samstagmorgen fliege ich mit einem Mitfreiwilligen aus Cordoba nach Ushuaia, „die südlichste Stadt der Welt“, auch wenn sich darüber streiten lässt. Naja, auf jeden Fall wir es bestimmt eine geniale Reise. Erst bleiben wir einige Tage dort unten und schauen mal wie man mit Wandern, Kayakfahren und sonstigen Touren die dortige Natur etwas erkunden kann. Danach geht es mit dem Bus wieder nach Norden, ein kleines Stück durch Chile und über die Magellanstraße nach El Calafate. Ein, denke ich mal, recht unspektakuläres Dorf, von dem man aber Zugang zu den riesigen Gletschern am Lago Argentino hat (Perito Moreno, Uppsala-Gletscher). Irgendwie wird es dann von dort nach El Chalten gehen, einem kleinen Wandererdorf direkt unterhalb der Felsnadel des Fitz Roy und später in zwei Tagesetappen im Bus nach Bariloche. Dort schaue ich dann mal, ob ich eine weitere Mitfreiwillige besuche, die dort direkt im Nationalpark wohnt, der sich wohl ziemlich lohnen soll. Am Ende wird es dann von dort wieder zurück nach Buenos Aires gehen.
Bisher steht allerdings nur die Route, einen Zeitplan haben wir uns noch nicht gemacht, aber ich plane so mit guten 3/3,5 Wochen. Mein Mitreisender hat leider nur etwas weniger Zeit, sodass er schauen muss, bis wohin er mitkommt und wann er wieder zurück muss.
Hier jetzt noch eine relativ interessante Sache über Argentinien: von der Inflation hatte ich hier ja schon erzählt, also wirtschaftlich läuft es nicht gut im Land. Als Resultat hat Argentinien einen Importstopp erlassen, von dem ich zwar nicht genau weis, wie er sich genau zusammensetzt, den man aber doch an einigen Stellen merkt. So bekommen wir im Moment keine ordentliche Pumpe für den kleinen Teich an der Schule, da es anscheinend keine Pumpenproduktion in Argentinien gibt und eben im Moment keine importiert werden können. Das geht so weit, dass ein Bekannter von unserem Chef keinen vernünftigen Herzschrittmacher bekommt, da diese im Ausland hergestellt werden. Außerdem fällt wirklich auf, dass auf den meisten Produkten „Industria Argentina“ steht, gerade auch auf solchen, auf denen in Deutschland gerne „made in China/Taiwan/Japan“ draufsteht. „Made in Germany“ ist mir in Deutschland wirklich erst selten begegnet.
Mein Spanisch ist übrigens mittlerweile so weit, dass ich schon ganz gut Zeitungen lesen und vor allem auch verstehen kann und mittlerweile auch „Der Herr der Ringe“ auf spanisch lese. Die Bücher lagen hier rum und es hilft natürlich schon, wenn man die Geschichte schon kennt und somit auch Passagen, die noch nicht ganz verständlich sind, nicht dazu führen, dass man die ganze Geschichte aus den Augen verliert.
So ich denke damit hab ich alle auf den neuesten Stand gebracht, zumindest hab ich jetzt schon mal diesen Text verfasst. Jetzt heißt es warten bis der Strom sich meiner hier erbarmt und dem Internet mal wieder nen Tritt verpasst, auf das es wieder funktioniert.
Ich werde versuchen, mich aus dem Süden dann auch mal wieder zu melden und spätestens danach werde ich wahrscheinlich ganz schöne Fotos hier reinstellen können.
Un abrazo sudoroso (die Ventilatoren brauchen leider auch Strom;-)
David

Donnerstag, 10. Januar 2013

Weihnachten, Neujahr und Zwischenseminar

Es hat etwas gedauert, aber nach ziemlich ereignisreichen Wochen meld ich mich mal wieder.
Weihnachten ist ja schon wieder ne gute Weile her, trotzdem hier ganz kurz die Zusammenfassung meines sommerlichen Weihnachtens. Wie geplant, sind wir auf die Choza gefahren, um mit den dortigen Freiwilligen und der Hofgemeinschaft zu feiern. Am 24. war es dabei tagsüber bis zu 43 Grad heiß, so dass es ein relativ ruhiger Tag am Pool wurde. Abends gab es dann im großen Herrenhaus des Bauernhofes ein großes Essen, mit insgesamt bestimmt 25 Personen. Das Herrenhaus mitsamt der gegenüber liegenden Kapelle und einem Wasserbassin dazwischen wurde übrigens vom Gouverneur von Buenos Aires und auch sonst bedeutenden Politiker Bernardo de Irigoyen gebaut und zieht noch immer einige Touristen an, die immer mal auf dem Hof vorbei schauen. Zurück zu Weihnachten - Nach dem Essen wurde gewichtelt und danach ging es nochmal ins Schwimmbecken, da es sich immernoch nicht besonders abgekühlt hatte. Der erste Weihnachtstag war dann eher von der Busfahrt zurück geprägt, da wir am 26. schon wieder arbeiten mussten, besonders spektakulär war es dann also nichtmehr.

Die Woche haben wir dann hier an der Schule die Tafeln von Hand abgeschliffen damit sie neu gestrichen werden konnten. Eine ziemlich ätzende Arbeit mit Atemmaske und außerdem war man nach der ersten Tafel schon völlig schwarz mit Tafelstaub überdeckt.
Freitag ging es dann mit drei anderen Deutschen nach Mar del Plata, wo wir Silvester feiern wollten. Mar del Plata liegt ca. 500km südliche von Buenos Aires am Atlantik und ist ziemlich auf Massentourismus ausgerichtet: hinter den Stränden stehen große Hotelbauten und alles ist in den Sommermonaten ziemlich überlaufen. Wir haben dort in einem einfachen Hostel gewohnt, wo wir auf eine ziemlich bunt zusammengewürfelte Truppe getroffen sind, mit denen dann immer Leben in der Bude war. Insgesamt waren wir dann eine Gruppe bestehend aus 6 Deutschen, einem Belgier, 2 Bolivianern, 2 Israelis, einem aus Alaska, mehreren Argentiniern usw. Aber schon die Busfahrt dorthin war ein Erlebnis, da ich endlich mal weiter aus der Betonwüste von Buenos Aires rausgekommen bin. Zwar fährt man einfach nur schnurgerade Straßen durch die immer flache, unbewohnte und endlose Pampa, aber immerhin bekommt man mal einen ersten Eindruck vom Land. Natürlich sieht man dabei dann auch viele der bekannten argentinischen Rinder.
In Mar del Plata sind wir bis zum 1.1. geblieben und haben uns dann wieder im Bus auf dem Rückweg gemacht, in dem man dann ganz gemütlich den Schlaf nachholen konnte, der in den Tage dort etwas zu kurz gekommen war. 

Zu Hause angekommen wurde nur kurz gewaschen und ausgeschlafen und am nächsten Morgen ging es schon auf das Zwischenseminar unserer Organisation, welches in der Innenstadt stattfand. Dort haben wir von Mittwoch bis Montag im Hotel Bauen gewohnt, ein Hotel welches 2002 von den eigenen Angestellten besetzt worden war, da der Besitzer es im Zuge der Wirtschaftskrise 2001 die Wand gefahren hatte und jetzt von einer Kooperative der Angestellten geführt wird. Eine sehr interessante Geschichte welche uns von den Hotelmitarbeitern auch anhand eines Films und in einem Vortrage erzählt wurde (http://en.wikipedia.org/wiki/Hotel_Bauen). Dort waren wir also mit einer kleineren Gruppe unseres Vorbereitungsseminars, bestehend aus allen Freiwilligen Chiles, Uruguays und Argentiniens. Es war ein echt nettes Wiedersehen und danach ein sehr interessantes Seminar mit Vorträgen unter anderem von einer Frau vom Stamm der Quechua und einem Mann, dessen Mutter im Zuge der Diktatur 1976-1983 ermordet worden war, woraufhin er von Militärs zwangsadoptiert wurde (im Alter von 9 Monaten) und erst vor 10 Jahren um Alter von 27 herausgefunden hat, dass seine Adoptiveltern so ziemlich die Mörder seiner leiblichen Eltern sind. Ein Schicksal, welches er mit einigen anderen Argentiniern teilt und dessen Aufdeckung erst in den letzten Jahren durch die Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur möglich geworden ist. Vorher war alles durch eine Generalamnestie geregelt worden und erst unter Nestor Kirchner begann man dieses dunkle Kapitel der eigenen Geschichte aufzuarbeiten und Verantwortliche vor Gericht zu stellen. Außerdem wurde mit uns ein Tangokurs gemacht der am Ende sogar auf die Tanzfläche einer normalen Milonga geführt hat. Der geborene Tangotänzer bin ich denke ich nicht, ganz lustig war die ganze Unternehmung aber schon.
Am Montag gab es dann noch ein gemeinsames Frühstück und danach sind alle wieder in alle Himmelsrichtungen zu ihren Dienststellen oder Richtung Urlaub gefahren, der bei vielen jetzt im Zuge der schulischen Sommerferien direkt anschließt. Bei uns, die wir nicht in einer Gastfamilie wohnen und daher freier sind als die meisten anderen, sind noch einige aus Uruguay und Chile für ein paar Tage geblieben um sich Buenos Aires noch etwas mehr zu Gemüte zu führen. So langsam leert es sich aber wieder. 

Jetzt stehen dann erstmal drei Wochen normale Arbeit an, bevor es für mich Richtung Süden geht, wohin ich mit einem Mitfreiwilligen aus Cordoba reisen werde. Die Route sieht in etwa folgendermaßen aus: Buenos Aires - Peninsula Valdez (eine Halbinsel mit besonderer Natur) - Ushuaia (Feuerland) - El Calafate (wo die berühmten Gletscher sind, siehe Perito Moreno) - El Chalten (mitten in den Anden und perfekt zum Wandern) - Bariloche (eine Stadt am Fuße der Anden, wo ich wahrscheinlich auch andere Freiwillige besuchen werde) und wieder zurück. Das alles dann mit Reisebussen, die hier ein ziemliche gutes System haben und auch bezahlbar sind. Nur nach Ushuaia ist die Überlegung, ob man nicht lieber fliegt, da man sonst einige Tage unterwegs ist. Also mal schauen.
Das Wetter ist hier im Moment übrigens nicht so anstrengend wie am Anfang des Sommers befürchtet. Es ist zwar gut heiß, aber es lässt sich alle aushalten da man sich auch mittlerweile ganz gut daran gewöhnt hat.
Unten sind dann noch einige Bilder der letzten Wochen.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David

Pool auf dem Bauernhof

Weihnachten
Auf Schattensuche an Heiligabend

Internationales Silvester-Asado

Argentinische Rinder in der Pampa

Bequemes Reisen
Sonnenaufgang am Atlantik


Wie kommt man nur auf die Idee Hütten auf den Strand zu bauen???



Sonnenuntergang in der Pampa