Weihnachten ist ja schon wieder ne gute Weile her, trotzdem hier ganz kurz die Zusammenfassung meines sommerlichen Weihnachtens. Wie geplant, sind wir auf die Choza gefahren, um mit den dortigen Freiwilligen und der Hofgemeinschaft zu feiern. Am 24. war es dabei tagsüber bis zu 43 Grad heiß, so dass es ein relativ ruhiger Tag am Pool wurde. Abends gab es dann im großen Herrenhaus des Bauernhofes ein großes Essen, mit insgesamt bestimmt 25 Personen. Das Herrenhaus mitsamt der gegenüber liegenden Kapelle und einem Wasserbassin dazwischen wurde übrigens vom Gouverneur von Buenos Aires und auch sonst bedeutenden Politiker Bernardo de Irigoyen gebaut und zieht noch immer einige Touristen an, die immer mal auf dem Hof vorbei schauen. Zurück zu Weihnachten - Nach dem Essen wurde gewichtelt und danach ging es nochmal ins Schwimmbecken, da es sich immernoch nicht besonders abgekühlt hatte. Der erste Weihnachtstag war dann eher von der Busfahrt zurück geprägt, da wir am 26. schon wieder arbeiten mussten, besonders spektakulär war es dann also nichtmehr.
Die Woche haben wir dann hier an der Schule die Tafeln von Hand abgeschliffen damit sie neu gestrichen werden konnten. Eine ziemlich ätzende Arbeit mit Atemmaske und außerdem war man nach der ersten Tafel schon völlig schwarz mit Tafelstaub überdeckt.
Freitag ging es dann mit drei anderen Deutschen nach Mar del Plata, wo wir Silvester feiern wollten. Mar del Plata liegt ca. 500km südliche von Buenos Aires am Atlantik und ist ziemlich auf Massentourismus ausgerichtet: hinter den Stränden stehen große Hotelbauten und alles ist in den Sommermonaten ziemlich überlaufen. Wir haben dort in einem einfachen Hostel gewohnt, wo wir auf eine ziemlich bunt zusammengewürfelte Truppe getroffen sind, mit denen dann immer Leben in der Bude war. Insgesamt waren wir dann eine Gruppe bestehend aus 6 Deutschen, einem Belgier, 2 Bolivianern, 2 Israelis, einem aus Alaska, mehreren Argentiniern usw. Aber schon die Busfahrt dorthin war ein Erlebnis, da ich endlich mal weiter aus der Betonwüste von Buenos Aires rausgekommen bin. Zwar fährt man einfach nur schnurgerade Straßen durch die immer flache, unbewohnte und endlose Pampa, aber immerhin bekommt man mal einen ersten Eindruck vom Land. Natürlich sieht man dabei dann auch viele der bekannten argentinischen Rinder.
In Mar del Plata sind wir bis zum 1.1. geblieben und haben uns dann wieder im Bus auf dem Rückweg gemacht, in dem man dann ganz gemütlich den Schlaf nachholen konnte, der in den Tage dort etwas zu kurz gekommen war.
Zu Hause angekommen wurde nur kurz gewaschen und ausgeschlafen und am nächsten Morgen ging es schon auf das Zwischenseminar unserer Organisation, welches in der Innenstadt stattfand. Dort haben wir von Mittwoch bis Montag im Hotel Bauen gewohnt, ein Hotel welches 2002 von den eigenen Angestellten besetzt worden war, da der Besitzer es im Zuge der Wirtschaftskrise 2001 die Wand gefahren hatte und jetzt von einer Kooperative der Angestellten geführt wird. Eine sehr interessante Geschichte welche uns von den Hotelmitarbeitern auch anhand eines Films und in einem Vortrage erzählt wurde (http://en.wikipedia.org/wiki/Hotel_Bauen). Dort waren wir also mit einer kleineren Gruppe unseres Vorbereitungsseminars, bestehend aus allen Freiwilligen Chiles, Uruguays und Argentiniens. Es war ein echt nettes Wiedersehen und danach ein sehr interessantes Seminar mit Vorträgen unter anderem von einer Frau vom Stamm der Quechua und einem Mann, dessen Mutter im Zuge der Diktatur 1976-1983 ermordet worden war, woraufhin er von Militärs zwangsadoptiert wurde (im Alter von 9 Monaten) und erst vor 10 Jahren um Alter von 27 herausgefunden hat, dass seine Adoptiveltern so ziemlich die Mörder seiner leiblichen Eltern sind. Ein Schicksal, welches er mit einigen anderen Argentiniern teilt und dessen Aufdeckung erst in den letzten Jahren durch die Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur möglich geworden ist. Vorher war alles durch eine Generalamnestie geregelt worden und erst unter Nestor Kirchner begann man dieses dunkle Kapitel der eigenen Geschichte aufzuarbeiten und Verantwortliche vor Gericht zu stellen. Außerdem wurde mit uns ein Tangokurs gemacht der am Ende sogar auf die Tanzfläche einer normalen Milonga geführt hat. Der geborene Tangotänzer bin ich denke ich nicht, ganz lustig war die ganze Unternehmung aber schon.
Am Montag gab es dann noch ein gemeinsames Frühstück und danach sind alle wieder in alle Himmelsrichtungen zu ihren Dienststellen oder Richtung Urlaub gefahren, der bei vielen jetzt im Zuge der schulischen Sommerferien direkt anschließt. Bei uns, die wir nicht in einer Gastfamilie wohnen und daher freier sind als die meisten anderen, sind noch einige aus Uruguay und Chile für ein paar Tage geblieben um sich Buenos Aires noch etwas mehr zu Gemüte zu führen. So langsam leert es sich aber wieder.
Jetzt stehen dann erstmal drei Wochen normale Arbeit an, bevor es für mich Richtung Süden geht, wohin ich mit einem Mitfreiwilligen aus Cordoba reisen werde. Die Route sieht in etwa folgendermaßen aus: Buenos Aires - Peninsula Valdez (eine Halbinsel mit besonderer Natur) - Ushuaia (Feuerland) - El Calafate (wo die berühmten Gletscher sind, siehe Perito Moreno) - El Chalten (mitten in den Anden und perfekt zum Wandern) - Bariloche (eine Stadt am Fuße der Anden, wo ich wahrscheinlich auch andere Freiwillige besuchen werde) und wieder zurück. Das alles dann mit Reisebussen, die hier ein ziemliche gutes System haben und auch bezahlbar sind. Nur nach Ushuaia ist die Überlegung, ob man nicht lieber fliegt, da man sonst einige Tage unterwegs ist. Also mal schauen.
Das Wetter ist hier im Moment übrigens nicht so anstrengend wie am Anfang des Sommers befürchtet. Es ist zwar gut heiß, aber es lässt sich alle aushalten da man sich auch mittlerweile ganz gut daran gewöhnt hat.
Unten sind dann noch einige Bilder der letzten Wochen.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
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