Wie bereits angekündigt bin ich also mit einem Mitfreiwilligen am 02.02. aus dem knalle heißen und schwülen Buenos Aires in das 10°C kühle Ushuaia geflogen. Ein Städtchen, welches sich am Ufer des Beagle Kanals im Süden Feuerlands befindet und Anlaufziel für hunderte von Kreuzfahrtschiffen und Ausgangspunkt fast aller Antaktisexpeditionen ist. Die Stadt selber ist sehr touristisch geprägt, mit hunderten von Souvenirläden und einem großen Casino im Hafen. Das Zentrum ist aber trotzdem ganz nett, auch wenn der Charm dieses Ortes gewiss nicht in der Stadt selber liegt. Eher in den zum Teil schneebedeckten Bergen, den seenreichen Wäldern und dem Beagle Kanal, die es umgeben. Dazu muss man sagen, dass Feuerland eine eigene Handelszone ist, hier zum Beispiel keine Steuern erhoben werden und die Menschen zum Teil drei Mal mehr verdienen als in der Hauptstadt. Das erklärt, warum überhaupt so viele Menschen hier unten leben, in dieser eigentlich überhaupt nicht argentinischen Landschaft. Auf jeden Fall sieht man sofort, dass fast nur neue Autos unterwegs sind (die aber alle Feuerland nicht verlassen dürfen), da diese eben ohne Steuern, anscheinend äußerst billig hier unten sind. Aber zurück zur Natur. Wir sind insgesamt 5 Nächte dort unten geblieben und haben das gemacht, was man hier eigentlich nur machen kann: Wandern. Alle Schiffsexkursionen lagen etwas über unserem Budget (überhaupt ist Ushuaia, was Waren angeht, die nicht von der Steuerfreiheit profitieren, die teuerste Stadt Argentiniens). So gings auf einen Berg oberhalb der Stadt, wo man einen sagenhaften Blick auf den Beagle Kanal, das Städtchen und die umliegenden Berge hatte; zu einem im Hinterland gelegenen Gletschersee, wo man die Biberplage, die Feuerland anscheinend ernsthafte Probleme bereitet, gut beobachten konnte und in den Nationalpark in der Nähe von Ushuaia. Dabei hatten wir immer riesiges Glück mit dem Wetter, was hier normalerweise sagenhaft schlecht ist, uns aber jeden Tag Sonnenschein beschert hat, der aufgrund des Ozonloches dort unten durchaus gut gebrannt hat.
Gut zu erkennen war hier unten auch mal wieder, der etwas übertriebene Nationalstolz der Argentinier, die anscheinend am 2.4.1982, nach der Eroberung der Falklandinseln (oder Malvinas, wie sie hier heißen), Ushuaia zu deren Hauptstadt bestimmt hatten und zum 30 jährigen Jubiläum letztes Jahr immer noch erhaltene Plakate und Schilder aufgestellt haben, die das 30 jährige Jubiläum der Hauptstadt Ushuaia feiern. Man will einfach nicht wahr haben, dass die Inseln schon lange nicht mehr offiziell zu Argentinien gehören.
Nach Ushuaia ging es in 17 stündiger Busfahrt über die Magellanstraße und Rio Gallegos nach El Calafate. Ein ziemlich langweiliges Städtchen, welches aber aufgrund der Lage am Lago Argentino (allein schon mal 2 Mal so groß wie der Bodensee) und den sich dort befindenden Gletschern, einer der bekanntesten Orte Argentiniens ist. Die Anden sind hier von einem 400km langen Eisschild bedeckt (nach der Antarktis und Grönland das größte Eisschild der Welt), welches in Form riesiger Gletscher in die stahlblauen Seen übergeht. Der bekannteste, aktivste und von uns besuchte Gletscher ist der Perito Moreno, dessen Gletscherzunge von der Größe Buenos Aires täglich 40cm in den See hinein wächst und dementsprechend eine Gräuschkulisse wie ein Gewitter bietet. Ständig öffnen sich neue Spalten und alle paar Minuten stürzen größere und kleinere Eisbrocken von der 60m hohen Front in den See und treiben als Eisberge davon. Man selbst steht dem ganzen auf einer Halbinsel frontal gegenüber und kann so recht gar nicht fassen, was man da sieht. Leider kommt das auf den Bildern natürlich nur bedingt rüber. Die beiden anderen großen Gletscher des Sees erreicht man nur auf einem sündhaft teuren Boot, was wir uns gespart haben.
Gewohnt haben wir übrigens immer in Hostels, welche es hier zu Hauf gibt und in denen man hier im Süden für im Landesvergleich äußerst teure 15€ pro Nacht in gemischten Schlafräumen pennen kann und wo einem immer eine Küche zur eigenen Versorgung geboten wurde. Letztendlich sind die Dinger aber eine super Sache, da man ständig auf andere Reisende trifft, die einem Ideen zur Weiterreise geben und immer ziemlich viel zu erzählen haben, ob es nun eine Schiffüberfahrt von Panama nach Kolumbien ist oder eine Motorradtour von Alaska bis nach Ushuaia. Die meisten Reisenden kommen hier übrigens aus Mitteleuropa, Amerika und erstaunlicherweise aus Israel, von denen man ständig riesige Gruppen antrifft. Patagonien scheint für die Israelis nach der Militärausbildung das zu sein, was für die Deutschen nach dem Abi Australien ist.
Von El Calafate ging es dann durch die, seit Nordfeuerland immer gleiche Steppe, nach El Chalten (ich hatte irgendwie gedacht Patagonien sei bewaldet, aber ich wurde auf tagelangen Busfahrten eines anderen belehrt). Da diese aber durch krasse Bergformationen und stahlblaue Flüsse unterbrochen wurde, war auch diese Landschaft hier unten noch ein Erlebnis.
El Chalten wurde erst vor knapp 30 Jahren gegründet und sieht dementsprechend aus, eigentlich ganz nett, aber an allen Ecken und Enden wird noch gebaut. So auch bei unserem Hostel, wo der zweite Stock noch ein Rohbau war und der erste Stock auch noch nicht so richtig fertig war. Hier trifft sich auf jedenfall alle Welt zum Bergsteigen und Klettern, da mit dem FIitz Roy und dem Cerro Torre, trotz geringer Höhe, zwei der schwerst zu bekletternden Berge auf einen warten. Wir haben es mal dabei belassen, bis zum Fuß der beiden Berge und auf einen einfacheren Berg zu wandern, was immernoch einige Höhenmeter und täglich 30km bedeutete. Auch hier ist noch alles voll von Gletschern, diesmal aber eher vom einem Format, wie man es von den Alpen kennt. Auch ein Andenkondor (einer der größten lebenden und flugfähigen Vögel mit bis zu 3m Flügelspannweite), ist bei einer Pause in 10m Entfernung von uns lang geflogen.
Nach 4 Nächten in dem Andendorf ging es dann auf eine, laut Plan 27stündige Busfahrt über die Ruta 40 nach Bariloche. Die Straße ist weitestgehend eine Schotterpiste, wie eigentlich viele der weniger befahrenen Straßen in Patagonien. Leider war aber unser Bus nicht wirklich funktionstüchtig, sodass tagsüber die Sonne den Bus krass aufgeheizt hat und keine Klimaanlage oder Lüftung funktioniert hat und außerdem alle paar Stunden der Motor aufgegeben hat. Die beiden Busfahrer haben es dann zwar immer wieder hinbekommen, dass Ding wieder zum Laufen zu bringen, aber damit hat unsere Fahrt dann annähernd 35 Stunden gedauert und das alles durch eine letztendlich doch ziemlich eintönige Schotterwüste. Auf jeden Fall war man am Ende froh in Bariloche anzukommen.
Bariloche, welches vom Stadtbild und von der Landschaft sehr an die Schweiz erinnern soll, hat wirklich einen sehr schweizerisch Hauptplatz, alles andere sieht genauso aus wie sonst auch. Drumherum geht aber ein See in den nächsten über und direkt dahinter sieht man schneebedeckte Berge, sodass man schon verstehen kann, warum es auf Südamerikaner schweizerisch wirkt. In Bariloche musste sich mein Mitreisender dann auf den Heimweg machen. Ich bin aber mit zwei anderen Deutschen, die wir unterwegs kennengelernt haben, über einen Andenpass nach Pucón (Chile) gefahren, welches unterhalb des aktiven Vulkans Villarrica (ca. 2900m hoch) liegt, den man ohne große Probleme besteigen kann. Das ganze ging aber nur in organisierten Touren und mit vollen Equipment: Bergschuhe, warme Jacke+Hose, Helm, Eispickel, Spikes für die Schuhe etc. Brauchen tat man das alles, da man den oberen Teil des 5 stündigen Aufstiegs über einen Gletscher laufen musste, den man aber beim Abstieg auf mitgebrachten Bobs in einem Affentempo wieder herunter rodeln konnte. Deshalb gestaltete sich der Abstieg auch wesentlich entspannter. Oben waren die Ränder des Kraters ohne weiteres betretbar, nur eine Seite war etwas kritisch, da dort die ganzen Schwefeldämpfe austraten. Auf jeden Fall eine ziemlich eindrückliche Kulisse da oben, mit dem rauchenden Krater auf der einen und der endlos weiten Aussicht auf der anderen Seite, wo man in der Ferne noch 5 bis 6 andere Vulkane sehen konnte (unter anderem wohl den aktivsten Vulkan Südamerikas).
Von dort hab ich mich dann wieder Richtung Buenos Aires aufgemacht, jedoch mit einer Zwischenstation bei einer Mitfreiwilligen bei Neuquen, da es sonst wieder eine zigstündige Fahrt geworden wäre (die Grenzkontrollen alleine zogen sich schon immer ziemlich hin).
Sonntag bin ich dann also nach drei Wochen, davon ca. 100 Stunden allein in Bus und Flugzeug und zurückgelegten 7400 km wieder hier angekommen und auch hier stand eine Neuerung an: mein Mitfreiwilliger ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt, da er hier Probleme hatte und damit die Konsequenzen gezogen hat. Ich wohne also jetzt alleine hier in meiner Hütte, bin damit aber eigentlich nicht unglücklich und gewöhne mich erstmal wieder an das trubelige Stadtleben, welches man in den endlosen Weiten von Patagonien etwas verdrängt hat.
Ushuaia:
| Magellanstraße von oben |
| In Ushuaia scheint man guten Geschmack zu haben |
| Beagle Kanal, Ushuaia und vorgelagerter Flughafen |
| Die relativ unspektakuläre Magellanstraße |
Perito Moreno:
| 60m hohe Eiswand |
El Chalten:
| Unser Hostel |
| Der Fitz Roy |
| Whiskey und Zigarre auf dem Gipfel ;-) |
Bariloche:
| Sehr schweizerisch, sogar mit Bernadinern, die an jeder Ecke für Fotos bereit standen |
Pucón (Chile), Villarrica-Vulkan
| Erster Blick |
| Strand, unterhalb vom Vulkan |
| So einfach gings wieder runter |

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