Nach meiner Reise ging also hier der Alltag wieder los, mit dem Unterschied zu Januar, dass nach über 2 Monaten Sommerferien die Kinder auch wieder in der Schule waren. Anders ist mittlerweile auch das Klima, im Januar noch unerträglich heiß und stickig, ist es jetzt frischer geworden, es wird nur noch mit Sonne über 30 Grad warm bzw. jetzt im April bleibt es eher bei angenehmen 25 Grad in der Sonne. Der einjährige Sommer den ich ja jetzt hatte neigt sich also langsam dem Ende zu, auch wenn es hoffentlich noch bis Ende Mai halbwegs warm bleibt und auch weiterhin kaum regnet.
Im März war es dann ganz interessant zu sehen, wie Argentinien Papst wurde. Nachdem sich vorher glaube ich niemand wirklich Gedanken über diese Möglichkeit gemacht hat, waren dann hier alle völlig aus dem Häuschen. Ständig wurde einem erzählt, dass Argentinien jetzt mit Messi den Fussball, mit der Königin von Holland ein europäisches Land und jetzt auch noch mit dem Papst die katholische Welt beherrscht, also es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Argentinien die ganze Welt unterwandert hat. Naja so weit so gut, das starke Nationalgefühl hatte ich ja bereits erwähnt. Auf dem zentralen Platz, vor Präsidentensitz und Staatskirche war auf jeden Fall Ausnahmezustand und es sind wohl auch Autokorsos gesichtet worden. Für den Tag der Papstkrönung wurde dann auch kurzerhand Schulfrei gegeben, damit sich alle am frühen morgen den Gottesdienst anschauen konnten, unter anderem als Public Viewing mit Auftritten von bekannten Bands auf der Plaza de Mayo. Ich selbst bin zu keinem dieser Events gegangen, nicht dass ich hier missverstanden werde, aber ich fand die Reaktionen ganz interessant.
Mittlerweile sind jetzt überall Plakata mit dem Konterfei des Papstes und der Überschrift "Peronista" und zusammen mit der derzeitigen Präsidentin Kirchner zu sehen. Der Papst ist also auch gleich in die ganze Propagandamaschinerie aufgenommen worden, wie man sich das in Deutschland glaub ich gar nicht vorstellen kann. Mit der Geschichte des Papstes während der Militärdiktatur wird sich, soweit ich das beurteilen kann aber, anders als in Deutschland, eigentlich überhaupt nicht beschäftigt. Nach dem Motto: wenn man schonmal Papst ist, sollte man sichs ja auch nicht gleich wieder verderben...
Ende März war dann Familienbesuch angesagt. Nach längeren Verzögerungen im London und einem sehr internationalen Tag: morgens London, mittags Madrid, abends Buenos Aires sind alle drei dann hier wohlbehalten angekommen. Durch den Abbruch meines Mitfreiwilligen war es dabei möglich, dass wir alle hier in meiner Hütte wohnen, sodass man sich Hotelkosten sparen konnte. Überhaupt habe ich hier jetzt genug Platz, dass immer mal Leute bei mir wohnen können, wie Mitte März zwei Brüder von einem Mitfreiwilligen in Santiago de Chile, die hier ihre Südamerika-Rundreise beendet haben.
Mit meinen Eltern und Schwester konnte ich mir dann nochmal das Touri-Buenos Aires anschauen, was man natürlich sonst eher weniger macht, sodass ich auch nochmal neue Ecken kennengelernt hab. Außerdem waren wir einige Tage in Mendoza, einer Stadt an den Anden, von welcher man schnell in die Berge und in die umliegenden Weinanbeigebiete kommt. Einen Tag sind wir von dort also auf den alten Pass nach Chile gefahren, der auf 4000m als Schotterpiste, direkt unterhalb des höchsten Berges außerhalb des Himalayas (Aconcagua, knapp 7000m), über die Berge geht. Der Transitverkehr fährt aber mitterweile durch einen Tunnel 1000 Meter unterhalb.
Unsere Rückfahrt nach Buenos Aires war genau an dem Tag, wo es hier in der Gegend die verheerenden Regenfälle gab, die anscheinend auch in den deutschen Nachrichten waren. In so fern hatten wir dann Glück, das unser Bus wegen Motorproblemen etwas außerhalb von Buenos Aires liegen blieb und wir mit einem Taxi nach Hause gefahren sind und so das Chaos der Innenstadt umgangen haben. Mitbekommen haben wir davon aber erst später, auch durch die Nachrichten, da es hier in meinem Viertel alles schon gut abgelaufen war als wir kamen und in meine Hütte kein Wasser eingedrungen ist. 500m weiter, auf der Panamericana hatte das Wasser nachts aber zeitweise mehrere Meter bis zu den Brücken hoch gestanden (siehe Bild).
Seitdem sind überall Spendenaktionen zu sehen, um die Menschen der südlich angrenzende Stadt La Plata, welche besonders zerstört worden ist, zu versorgen. Auch hier in der Schule, wo morgen ein großer Flohmarkt stattfindet, haben die Eltern viele Wasserkanister, Matrazen, Waschmittel, Lebensmittel usw. gespendet die zusammen mit den Überresten von dem Flohmarkt am Sonntag nach La Plata gekarrt werden. Also schon ziemlich beeindruckend, wie sich alles damit identifizieren und in kürzester Zeit privat so etwas auf die Beine stellen, während die Politik anscheinend eher schwerfällig mit der Situation umgeht.
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| 500m von meinem Haus entfernt ist es doch etwas nasser geworden |
| Argentinische Küche: viel Fleisch, den Rest kann man auch weglassen |
| Blick auf Buenos Aires "Downtown" am Rio de la Plata |
| Mendoza vor beginnenden Anden |
| etwas wolkenverhangene Andenkette |
| Das Aconcaguamassiv im Hintergrund |
| Blick nach Chile |
| Aconcagua |
| Grenzpfahl |
| "Inkabrücke" unterhalb vom Aconcagua, südlichste Fundstätte von Überresten der Inkakultur |

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