Samstag, 18. Mai 2013

Herbst, Reisepläne und was sonst noch so Argentinien ausmacht

So langsam fängt hier die kalte Jahreszeit an, weswegen ich hier mittlerweile mein Haus mit allen Mitteln heizen muss. Eigentlich ist es gar nicht groß kalt, vielleicht so um die 8 Grad, aber die Häuser sind einfach dermaßen schlecht isoliert, meins einbezogen, dass immer gut am ziehen ist und die Wärme nach ner halben Stunde ohne Heizen wieder verschwunden ist. Deswegen sind wir im Moment jeden Tag beschäftigt, die Heizungen der Schule wieder auf Vordermann zu bringen, da sie allesamt lecken oder gar nicht erst funktionieren. Morgens wenn aber alle Schüler in den Klassen sind, werden Arbeiten im Außenbereich der Schule erledigt, was bei der, mit der Kälte einhergehenden Luftfeuchtigkeit ziemlich ungemütlich ist. Vor allem auch deswegen, da ich mich kleidungstechnisch nicht wirklich auf den Winter eingerichtet habe und deswegen immer drei Lagen meiner sommerlichen Arbeitskleidung tragen muss. Das obligatorische Matetrinken jeden Morgen mit dem Portier in seiner kleinen Hütte wärmt einen aber immer wieder ein bisschen auf. 
An dieses etwas sonderliche Getränk, welches hier zu allen Gelegenheiten getrunken wird und bei jeglicher Arbeit gerne als Grund zur Pause benutzt wird, hab ich mich mittlerweile gut gewöhnt, sodass es jeden Nachmittag nach der Arbeit dann nochmal eine zweite Matepause gibt. Es gibt in Deutschland eigentlicht nichts vergleichbares mit diesem Ritual hier. Einmal gibt es in jedem Supermarkt zumindest ein Regal, welches ausschließlich die verschiedensten Yerba (also Mateteesorten) anbietet. Das geht von fein- über grobgemahlene Sorten, mit und ohne Geschmackszusätzen, mit und ohne Stiel, mild und stark usw. Zudem wird an jedem Kiosk oder Imbiss heißes Wasser angeboten, um die Thermoskanne auffüllen zu können. Dazu gehört auch, dass nur der Besitzer des Mates (also des Bechers) Wasser nachfüllen darf, dass man den Mate immer mit der Bombilla (dem "Strohhalm") in Richtung des Besitzers zurückgibt oder auch eine eine bestimmte Technik und Reihenfolge, in der man am Anfang das Yerba in den Mate bekommt und die Bombilla dazusteckt. Naja, auf jeden Fall eine ganz amüsante Sache, die einen morgens immer gut wach macht.
Nach mittlerweile 7 1/2 Monaten wird meine Zeit hier langsam ziemlich übersichtlich. Den nächsten Monat, also bis Mitte Juni, werde ich noch normal arbeiten, wobei es ein langes Wochenende rüber nach Montevideo in Uruguay gehen wird, wo ich einen Freund besuche. Danach werde ich fünf Wochen durch den Norden reisen. Der Plan sieht im Moment so aus, dass ich erst mit dem Bus zu den Iguazufällen im Nordosten fahren werde, von dort dann je nachdem über Asuncion in Paraguay oder in einem Südbogen durch Argentinien, nach Salta im Nordwesten von Argentinien fahren werde, wo es mit seinen Dörfchen, der noch präsenten idigenen Kultur und der Andenlage schon eher Bolivien und Peru ähneld. Von dort geht es dann nach Bolivien in die Salzwüste von Uyuni, welche schon auf knapp 4000m liegt. Ich muss also schauen, dass ich mich vorher langsam in der Höhe steigere, um dort das Risiko auf Höhenkrankheit zu verringern. Danach wird es wohl über Potosi, La Paz und den Titikakasee nach Cusco in Peru gehen, wo die Ruinen von Machu Picchu sind. Wenn es möglich ist, würde ich dorthinauf aber gerne über den alten Inkaweg wandern, der in 4 Tagen bis zu der Inkastadt hochführt. Um Umweltschäden vorzubeugen, ist der Zugang jedoch beschränkt, sodass ich mich dort wohl erstmal informieren muss, ob es wirklich möglich und finanzierbar ist. Zurück könnte ich dann einen 70 Stunden Direktbus nach Buenos Aires nehmen, was aber glaube ich ein ziemlicher Selbstmord wäre, sodass ich mir überlegt hab mich über die bolivianischen Dschungelgebiete langsam wieder in Richtung Süden zu bewegen. Soweit also der grobe Plan, der sich aber sicherlich, je nachdem welche Leute ich unterwegs treffe und mit wem ich reise noch sehr verändern werden, also mal schaun. Einen Coup habe ich auf jeden Fall schon gelandet und zwar gibt es eine Bahnverbindung zwischen Tucuman im Norden Argentiniens und Buenos Aires, die wie alle Bahnverbindungen hier wesentlich billiger ist als jegliche Busverbindung. So zahlt man für die 1200km Strecke im Bus um die 100 Euro, während die Bahn 6 Euro kostet. Normalerweise heißt es aber, dass man die begehrten Tickets nur bekommt, wenn man die Nacht vor Verkaufstart vor dem Ticketschalter übernachtet. Irgendwie hatte ich jetzt aber so viel Glück, auch Mittags noch an Karten zu kommen. Die Kehrseite ist allerdings, dass man statt 18 Stunden im Bus mit Schlafsesseln, 26 Stunden Bahn fährt und das in der "Holzklasse", bestehend aus Holzbänken mit ein bisschen Polster. Geschlafen wird wohl im Schlafsack auf dem Boden - wird bestimmt ein Erlebnis.
Dort im Norden bekomme ich aber glaube ich nochmal das "richtige Lateinamerika" mit, welches hier in Buenos Aires und nochmehr im Süden doch sehr europäisiert ist. Danach ist es dann nur noch etwas über einen Monat, bis ich zurückkomme. So genau weis ich das grad nicht einzuschätzen, einerseits zieht es einen natürlich zurück nach Deutschland, andererseits ging dieses Jahr hier bisher so unglaublich schnell um, dass man bei vielem auch das Gefühl hat, dass man eigentlich länger bleiben müsste, um das, was man hier begonnen hat auch wirklich zu vollenden...
Heute hab ich dem Portier der Schule dabei geholfen, ein neues Dach auf sein Haus zu setzen. Dabei waren auch noch der Hausmeister und 3 Väter von Schülern. Der Portier ist schon 60 Jahre alt, klettert aber immernoch überall herum und hat auch bei dem Dach angepackt, aber alleine wäre das nicht nur für ihn etwas zu viel gewesen. Das ganze war echt interessant, da ich ihn bisher nur hier aus der Schule als einen feinen, immer gut gelaunten Kerl erlebt hab, der hier eben hauptsächlich mit den gut betuchten Privatschuleltern verkehrt. Er aber wohnt in einem relativ armen Viertel in einem typischen Haus für diese Viertel: unverputze Ziegelsteinwände, unglaubliches Durcheinander in und ums Haus herum, reines Wellblechdach ohne jegliche Isolation, an allen Ecken offene Spalten in den Wänden und Fußböden aus halbverottetem Zement. Dazu dann noch eine riesige Familie, die alle auf dem Grundstück ihre Zimmer errichtet haben, sodass es ein völlig unübersichtlicher Gebäudekomplex ist. Er hat mit seinen 60 Jahren mehrere Kinder, noch mehr Enkel und mittlerweile einen Urenkel, die zur Hälfte bei ihm wohnen und anscheinend alle von seinem Einkommen leben. Naja wir haben dann heute geholfen auf einige neue Zimmer ein Dach zu setzen, diesmal mit etwas Isolation und vielen, viel zu kleinen Wellblechteilen, die er im Laufe der Jahre irgendwo angesammelt hat. Dazu wurde in guter argentinischer Tradition schon morgens auf der Straße der Grill, bestehend aus einem alten Kühlgitter eines Kühlschranks, angeschmissen, um die großen Fleischstücke bis zum Mittag gut durchzubraten. Diese wurden dann natürlich auch wieder nach Gauchoart ganz unverfälscht also ohne Saußen, Salate oder sonstigen Kram gegessen, der beim deutschen Grillen immer dazu gehört. 
Zum Glück sind wir kurz bevor es anfing zu regnen noch fertig geworden. Von unten ist es auch echt ansehnlich geworden, nur von oben sieht es aufgrund der vielen Wellblechteile etwas provisorisch aus. Es war auf jeden Fall sehr interessant mal mitzubekommen, wie man hier so wohnt, wenn man nicht viel Geld hat und wie man sich hier hilft. Ich meine, die Väter, die mitgeholfen haben, wohnen höchstwahrscheinlich alle in vernünftigen Vierteln (der eine ist z.B. Anwalt und hat schon Verträge für den Fußballprofi Kun Agüero ausgearbeitet) und helfen trotzdem am Wochenende dem Portier der Schule ihrer Kindern beim Hausbau.




Blick auf meine Straße und die Schule

Blick in die andere Richtung

die Panamericana

Golfplatz gegenüber von meinem Haus

Argentinisches Grillen (Asado)











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