Freitag, 12. April 2013

Spätsommer

Es ist schon wieder etwas her, dass ich mich hier an diesen Blog gesetzt habe, also versuch ich mal eben alles auf den neuesten Stand zu bringen.
Nach meiner Reise ging also hier der Alltag wieder los, mit dem Unterschied zu Januar, dass nach über 2 Monaten Sommerferien die Kinder auch wieder in der Schule waren. Anders ist mittlerweile auch das Klima, im Januar noch unerträglich heiß und stickig, ist es jetzt frischer geworden, es wird nur noch mit Sonne über 30 Grad warm bzw. jetzt im April bleibt es eher bei angenehmen 25 Grad in der Sonne. Der einjährige Sommer den ich ja jetzt hatte neigt sich also langsam dem Ende zu, auch wenn es hoffentlich noch bis Ende Mai halbwegs warm bleibt und auch weiterhin kaum regnet. 
Im März war es dann ganz interessant zu sehen, wie Argentinien Papst wurde. Nachdem sich vorher glaube ich niemand wirklich Gedanken über diese Möglichkeit gemacht hat, waren dann hier alle völlig aus dem Häuschen. Ständig wurde einem erzählt, dass Argentinien jetzt mit Messi den Fussball, mit der Königin von Holland ein europäisches Land und jetzt auch noch mit dem Papst die katholische Welt beherrscht, also es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Argentinien die ganze Welt unterwandert hat. Naja so weit so gut, das starke Nationalgefühl hatte ich ja bereits erwähnt. Auf dem zentralen Platz, vor Präsidentensitz und Staatskirche war auf jeden Fall Ausnahmezustand und es sind wohl auch Autokorsos gesichtet worden. Für den Tag der Papstkrönung wurde dann auch kurzerhand Schulfrei gegeben, damit sich alle am frühen morgen den Gottesdienst anschauen konnten, unter anderem als Public Viewing mit Auftritten von bekannten Bands auf der Plaza de Mayo. Ich selbst bin zu keinem dieser Events gegangen, nicht dass ich hier missverstanden werde, aber ich fand die Reaktionen ganz interessant. 
Mittlerweile sind jetzt überall Plakata mit dem Konterfei des Papstes und der Überschrift "Peronista" und zusammen mit der derzeitigen Präsidentin Kirchner zu sehen. Der Papst ist also auch gleich in die ganze Propagandamaschinerie aufgenommen worden, wie man sich das in Deutschland glaub ich gar nicht vorstellen kann. Mit der Geschichte des Papstes während der Militärdiktatur wird sich, soweit ich das beurteilen kann aber, anders als in Deutschland, eigentlich überhaupt nicht beschäftigt. Nach dem Motto: wenn man schonmal Papst ist, sollte man sichs ja auch nicht gleich wieder verderben...
Ende März war dann Familienbesuch angesagt. Nach längeren Verzögerungen im London und einem sehr internationalen Tag: morgens London, mittags Madrid, abends Buenos Aires sind alle drei dann hier wohlbehalten angekommen. Durch den Abbruch meines Mitfreiwilligen war es dabei möglich, dass wir alle hier in meiner Hütte wohnen, sodass man sich Hotelkosten sparen konnte. Überhaupt habe ich hier jetzt genug Platz, dass immer mal Leute bei mir wohnen können, wie Mitte März zwei Brüder von einem Mitfreiwilligen in Santiago de Chile, die hier ihre Südamerika-Rundreise beendet haben.
Mit meinen Eltern und Schwester konnte ich mir dann nochmal das Touri-Buenos Aires anschauen, was man natürlich sonst eher weniger macht, sodass ich auch nochmal neue Ecken kennengelernt hab. Außerdem waren wir einige Tage in Mendoza, einer Stadt an den Anden, von welcher man schnell in die Berge und in die umliegenden Weinanbeigebiete kommt. Einen Tag sind wir von dort also auf den alten Pass nach Chile gefahren, der auf 4000m als Schotterpiste, direkt unterhalb des höchsten Berges außerhalb des Himalayas (Aconcagua, knapp 7000m), über die Berge geht. Der Transitverkehr fährt aber mitterweile durch einen Tunnel 1000 Meter unterhalb.
Unsere Rückfahrt nach Buenos Aires war genau an dem Tag, wo es hier in der Gegend die verheerenden Regenfälle gab, die anscheinend auch in den deutschen Nachrichten waren. In so fern hatten wir dann Glück, das unser Bus wegen Motorproblemen etwas außerhalb von Buenos Aires liegen blieb und wir mit einem Taxi nach Hause gefahren sind und so das Chaos der Innenstadt umgangen haben. Mitbekommen haben wir davon aber erst später, auch durch die Nachrichten, da es hier in meinem Viertel alles schon gut abgelaufen war als wir kamen und in meine Hütte kein Wasser eingedrungen ist. 500m weiter, auf der Panamericana hatte das Wasser nachts aber zeitweise mehrere Meter bis zu den Brücken hoch gestanden (siehe Bild).
Seitdem sind überall Spendenaktionen zu sehen, um die Menschen der südlich angrenzende Stadt La Plata, welche besonders zerstört worden ist, zu versorgen. Auch hier in der Schule, wo morgen ein großer Flohmarkt stattfindet, haben die Eltern viele Wasserkanister, Matrazen, Waschmittel, Lebensmittel usw. gespendet die zusammen mit den Überresten von dem Flohmarkt am Sonntag nach La Plata gekarrt werden. Also schon ziemlich beeindruckend, wie sich alles damit identifizieren und in kürzester Zeit privat so etwas auf die Beine stellen, während die Politik anscheinend eher schwerfällig mit der Situation umgeht.

500m von meinem Haus entfernt ist es doch etwas nasser geworden


Argentinische Küche: viel Fleisch, den Rest kann man auch weglassen


Blick auf Buenos Aires "Downtown" am Rio de la Plata

Mendoza vor beginnenden Anden






etwas wolkenverhangene Andenkette





Das Aconcaguamassiv im Hintergrund


Blick nach Chile

Aconcagua

Grenzpfahl

"Inkabrücke" unterhalb vom Aconcagua, südlichste Fundstätte von Überresten der Inkakultur




Donnerstag, 28. Februar 2013

Patagonien

Nach drei Wochen im Süden Argentiniens bin ich letztes Wochenende wieder in Buenos Aires angekommen. Drei Wochen, die mein Bild von Argentinien, wie erwartet ziemlich verändert haben, war es doch bis dahin dominiert von dem Stadtleben in Buenos Aires.
Wie bereits angekündigt bin ich also mit einem Mitfreiwilligen am 02.02. aus dem knalle heißen und schwülen Buenos Aires in das 10°C kühle Ushuaia geflogen. Ein Städtchen, welches sich am Ufer des Beagle Kanals im Süden Feuerlands befindet und Anlaufziel für hunderte von Kreuzfahrtschiffen und Ausgangspunkt fast aller Antaktisexpeditionen ist. Die Stadt selber ist sehr touristisch geprägt, mit hunderten von Souvenirläden und einem großen Casino im Hafen. Das Zentrum ist aber trotzdem ganz nett, auch wenn der Charm dieses Ortes gewiss nicht in der Stadt selber liegt. Eher in den zum Teil schneebedeckten Bergen, den seenreichen Wäldern und dem Beagle Kanal, die es umgeben. Dazu muss man sagen, dass Feuerland eine eigene Handelszone ist, hier zum Beispiel keine Steuern erhoben werden und die Menschen zum Teil drei Mal mehr verdienen als in der Hauptstadt. Das erklärt, warum überhaupt so viele Menschen hier unten leben, in dieser eigentlich überhaupt nicht argentinischen Landschaft. Auf jeden Fall sieht man sofort, dass fast nur neue Autos unterwegs sind (die aber alle Feuerland nicht verlassen dürfen), da diese eben ohne Steuern, anscheinend äußerst billig hier unten sind. Aber zurück zur Natur. Wir sind insgesamt 5 Nächte dort unten geblieben und haben das gemacht, was man hier eigentlich nur machen kann: Wandern. Alle Schiffsexkursionen lagen etwas über unserem Budget (überhaupt ist Ushuaia, was Waren angeht, die nicht von der Steuerfreiheit profitieren, die teuerste Stadt Argentiniens). So gings auf einen Berg oberhalb der Stadt, wo man einen sagenhaften Blick auf den Beagle Kanal, das Städtchen und die umliegenden Berge hatte; zu einem im Hinterland gelegenen Gletschersee, wo man die Biberplage, die Feuerland anscheinend ernsthafte Probleme bereitet, gut beobachten konnte und in den Nationalpark in der Nähe von Ushuaia. Dabei hatten wir immer riesiges Glück mit dem Wetter, was hier normalerweise sagenhaft schlecht ist, uns aber jeden Tag Sonnenschein beschert hat, der aufgrund des Ozonloches dort unten durchaus gut gebrannt hat.
Gut zu erkennen war hier unten auch mal wieder, der etwas übertriebene Nationalstolz der Argentinier, die anscheinend am 2.4.1982, nach der Eroberung der Falklandinseln (oder Malvinas, wie sie hier heißen), Ushuaia zu deren Hauptstadt bestimmt hatten und zum 30 jährigen Jubiläum letztes Jahr immer noch erhaltene Plakate und Schilder aufgestellt haben, die das 30 jährige Jubiläum der Hauptstadt Ushuaia feiern. Man will einfach nicht wahr haben, dass die Inseln schon lange nicht mehr offiziell zu Argentinien gehören.
Nach Ushuaia ging es in 17 stündiger Busfahrt über die Magellanstraße und Rio Gallegos nach El Calafate. Ein ziemlich langweiliges Städtchen, welches aber aufgrund der Lage am Lago Argentino (allein schon mal 2 Mal so groß wie der Bodensee) und den sich dort befindenden Gletschern, einer der bekanntesten Orte Argentiniens ist. Die Anden sind hier von einem 400km langen Eisschild bedeckt (nach der Antarktis und Grönland das größte Eisschild der Welt), welches in Form riesiger Gletscher in die stahlblauen Seen übergeht. Der bekannteste, aktivste und von uns besuchte Gletscher ist der Perito Moreno, dessen Gletscherzunge von der Größe Buenos Aires täglich 40cm in den See hinein wächst und dementsprechend eine Gräuschkulisse wie ein Gewitter bietet. Ständig öffnen sich neue Spalten und alle paar Minuten stürzen größere und kleinere Eisbrocken von der 60m hohen Front in den See und treiben als Eisberge davon. Man selbst steht dem ganzen auf einer Halbinsel frontal gegenüber und kann so recht gar nicht fassen, was man da sieht. Leider kommt das auf den Bildern natürlich nur bedingt rüber. Die beiden anderen großen Gletscher des Sees erreicht man nur auf einem sündhaft teuren Boot, was wir uns gespart haben.
Gewohnt haben wir übrigens immer in Hostels, welche es hier zu Hauf gibt und in denen man hier im Süden für im Landesvergleich äußerst teure 15€ pro Nacht in gemischten Schlafräumen pennen kann und wo einem immer eine Küche zur eigenen Versorgung geboten wurde. Letztendlich sind die Dinger aber eine super Sache, da man ständig auf andere Reisende trifft, die einem Ideen zur Weiterreise geben und immer ziemlich viel zu erzählen haben, ob es nun eine Schiffüberfahrt von Panama nach Kolumbien ist oder eine Motorradtour von Alaska bis nach Ushuaia. Die meisten Reisenden kommen hier übrigens aus Mitteleuropa, Amerika und erstaunlicherweise aus Israel, von denen man ständig riesige Gruppen antrifft. Patagonien scheint für die Israelis nach der Militärausbildung das zu sein, was für die Deutschen nach dem Abi Australien ist.
Von El Calafate ging es dann durch die, seit Nordfeuerland immer gleiche Steppe, nach El Chalten (ich hatte irgendwie gedacht Patagonien sei bewaldet, aber ich wurde auf tagelangen Busfahrten eines anderen belehrt). Da diese aber durch krasse Bergformationen und stahlblaue Flüsse unterbrochen wurde, war auch diese Landschaft hier unten noch ein Erlebnis.
El Chalten wurde erst vor knapp 30 Jahren gegründet und sieht dementsprechend aus, eigentlich ganz nett, aber an allen Ecken und Enden wird noch gebaut. So auch bei unserem Hostel, wo der zweite Stock noch ein Rohbau war und der erste Stock auch noch nicht so richtig fertig war. Hier trifft sich auf jedenfall alle Welt zum Bergsteigen und Klettern, da mit dem FIitz Roy und dem Cerro Torre, trotz geringer Höhe, zwei der schwerst zu bekletternden Berge auf einen warten. Wir haben es mal dabei belassen, bis zum Fuß der beiden Berge und auf einen einfacheren Berg zu wandern, was immernoch einige Höhenmeter und täglich 30km bedeutete. Auch hier ist noch alles voll von Gletschern, diesmal aber eher vom einem Format, wie man es von den Alpen kennt. Auch ein Andenkondor (einer der größten lebenden und flugfähigen Vögel mit bis zu 3m Flügelspannweite), ist bei einer Pause in 10m Entfernung von uns lang geflogen. 
Nach 4 Nächten in dem Andendorf ging es dann auf eine, laut Plan 27stündige Busfahrt über die Ruta 40 nach Bariloche. Die Straße ist weitestgehend eine Schotterpiste, wie eigentlich viele der weniger befahrenen Straßen in Patagonien. Leider war aber unser Bus nicht wirklich funktionstüchtig, sodass tagsüber die Sonne den Bus krass aufgeheizt hat und keine Klimaanlage oder Lüftung funktioniert hat und außerdem alle paar Stunden der Motor aufgegeben hat. Die beiden Busfahrer haben es dann zwar immer wieder hinbekommen, dass Ding wieder zum Laufen zu bringen, aber damit hat unsere Fahrt dann annähernd 35 Stunden gedauert und das alles durch eine letztendlich doch ziemlich eintönige Schotterwüste. Auf jeden Fall war man am Ende froh in Bariloche anzukommen.
Bariloche, welches vom Stadtbild und von der Landschaft sehr an die Schweiz erinnern soll, hat wirklich einen sehr schweizerisch Hauptplatz, alles andere sieht genauso aus wie sonst auch. Drumherum geht aber ein See in den nächsten über und direkt dahinter sieht man schneebedeckte Berge, sodass man schon verstehen kann, warum es auf Südamerikaner schweizerisch wirkt. In Bariloche musste sich mein Mitreisender dann auf den Heimweg machen. Ich bin aber mit zwei anderen Deutschen, die wir unterwegs kennengelernt haben, über einen Andenpass nach Pucón (Chile) gefahren, welches unterhalb des aktiven Vulkans Villarrica (ca. 2900m hoch) liegt, den man ohne große Probleme besteigen kann. Das ganze ging aber nur in organisierten Touren und mit vollen Equipment: Bergschuhe, warme Jacke+Hose, Helm, Eispickel, Spikes für die Schuhe etc. Brauchen tat man das alles, da man den oberen Teil des 5 stündigen Aufstiegs über einen Gletscher laufen musste, den man aber beim Abstieg auf mitgebrachten Bobs in einem Affentempo wieder herunter rodeln konnte. Deshalb gestaltete sich der Abstieg auch wesentlich entspannter. Oben waren die Ränder des Kraters ohne weiteres betretbar, nur eine Seite war etwas kritisch, da dort die ganzen Schwefeldämpfe austraten. Auf jeden Fall eine ziemlich eindrückliche Kulisse da oben, mit dem rauchenden Krater auf der einen und der endlos weiten Aussicht auf der anderen Seite, wo man in der Ferne noch 5 bis 6 andere Vulkane sehen konnte (unter anderem wohl den aktivsten Vulkan Südamerikas).
Von dort hab ich mich dann wieder Richtung Buenos Aires aufgemacht, jedoch mit einer Zwischenstation bei einer Mitfreiwilligen bei Neuquen, da es sonst wieder eine zigstündige Fahrt geworden wäre (die Grenzkontrollen alleine zogen sich schon immer ziemlich hin).
Sonntag bin ich dann also nach drei Wochen, davon ca. 100 Stunden allein in Bus und Flugzeug und zurückgelegten 7400 km wieder hier angekommen und auch hier stand eine Neuerung an: mein Mitfreiwilliger ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt, da er hier Probleme hatte und damit die Konsequenzen gezogen hat. Ich wohne also jetzt alleine hier in meiner Hütte, bin damit aber eigentlich nicht unglücklich und gewöhne mich erstmal wieder an das trubelige Stadtleben, welches man in den endlosen Weiten von Patagonien etwas verdrängt hat.
 Ushuaia:


Magellanstraße von oben






In Ushuaia scheint man guten Geschmack zu haben
















Beagle Kanal, Ushuaia und vorgelagerter Flughafen








Die relativ unspektakuläre Magellanstraße
 

  Perito Moreno:


60m hohe Eiswand

















 El Chalten:


Unser Hostel












Der Fitz Roy



Whiskey und Zigarre auf dem Gipfel ;-)





Bariloche:









Sehr schweizerisch, sogar mit Bernadinern, die an jeder Ecke für Fotos bereit standen



Pucón (Chile), Villarrica-Vulkan
Erster Blick


Strand, unterhalb vom Vulkan






















So einfach gings wieder runter