Nach drei Wochen im
Süden Argentiniens bin ich letztes Wochenende wieder in Buenos Aires
angekommen. Drei Wochen, die mein Bild von Argentinien, wie erwartet
ziemlich verändert haben, war es doch bis dahin dominiert von dem
Stadtleben in Buenos Aires.
Wie bereits angekündigt
bin ich also mit einem Mitfreiwilligen am 02.02. aus dem knalle
heißen und schwülen Buenos Aires in das 10°C kühle Ushuaia
geflogen. Ein Städtchen, welches sich am Ufer des Beagle Kanals im
Süden Feuerlands befindet und Anlaufziel für hunderte von
Kreuzfahrtschiffen und Ausgangspunkt fast aller Antaktisexpeditionen
ist. Die Stadt selber ist sehr touristisch geprägt, mit hunderten
von Souvenirläden und einem großen Casino im Hafen. Das Zentrum ist
aber trotzdem ganz nett, auch wenn der Charm dieses Ortes gewiss
nicht in der Stadt selber liegt. Eher in den zum Teil schneebedeckten
Bergen, den seenreichen Wäldern und dem Beagle Kanal, die es
umgeben. Dazu muss man sagen, dass Feuerland eine eigene Handelszone
ist, hier zum Beispiel keine Steuern erhoben werden und die Menschen
zum Teil drei Mal mehr verdienen als in der Hauptstadt. Das erklärt,
warum überhaupt so viele Menschen hier unten leben, in dieser
eigentlich überhaupt nicht argentinischen Landschaft. Auf jeden Fall
sieht man sofort, dass fast nur neue Autos unterwegs sind (die aber
alle Feuerland nicht verlassen dürfen), da diese eben ohne Steuern,
anscheinend äußerst billig hier unten sind. Aber zurück zur Natur.
Wir sind insgesamt 5 Nächte dort unten geblieben und haben das
gemacht, was man hier eigentlich nur machen kann: Wandern. Alle
Schiffsexkursionen lagen etwas über unserem Budget (überhaupt ist
Ushuaia, was Waren angeht, die nicht von der Steuerfreiheit
profitieren, die teuerste Stadt Argentiniens). So gings auf einen
Berg oberhalb der Stadt, wo man einen sagenhaften Blick auf den
Beagle Kanal, das Städtchen und die umliegenden Berge hatte; zu
einem im Hinterland gelegenen Gletschersee, wo man die Biberplage,
die Feuerland anscheinend ernsthafte Probleme bereitet, gut
beobachten konnte und in den Nationalpark in der Nähe von Ushuaia.
Dabei hatten wir immer riesiges Glück mit dem Wetter, was hier
normalerweise sagenhaft schlecht ist, uns aber jeden Tag Sonnenschein
beschert hat, der aufgrund des Ozonloches dort unten durchaus gut
gebrannt hat.
Gut zu erkennen war hier
unten auch mal wieder, der etwas übertriebene Nationalstolz der
Argentinier, die anscheinend am 2.4.1982, nach der Eroberung der
Falklandinseln (oder Malvinas, wie sie hier heißen), Ushuaia zu
deren Hauptstadt bestimmt hatten und zum 30 jährigen Jubiläum
letztes Jahr immer noch erhaltene Plakate und Schilder aufgestellt
haben, die das 30 jährige Jubiläum der Hauptstadt Ushuaia feiern.
Man will einfach nicht wahr haben, dass die Inseln schon lange nicht
mehr offiziell zu Argentinien gehören.
Nach Ushuaia ging es in
17 stündiger Busfahrt über die Magellanstraße und Rio Gallegos
nach El Calafate. Ein ziemlich langweiliges Städtchen, welches aber
aufgrund der Lage am Lago Argentino (allein schon mal 2 Mal so groß
wie der Bodensee) und den sich dort befindenden Gletschern, einer der
bekanntesten Orte Argentiniens ist. Die Anden sind hier von einem
400km langen Eisschild bedeckt (nach der Antarktis und Grönland das
größte Eisschild der Welt), welches in Form riesiger Gletscher in
die stahlblauen Seen übergeht. Der bekannteste, aktivste und von uns
besuchte Gletscher ist der Perito Moreno, dessen Gletscherzunge von
der Größe Buenos Aires täglich 40cm in den See hinein wächst und
dementsprechend eine Gräuschkulisse wie ein Gewitter bietet. Ständig
öffnen sich neue Spalten und alle paar Minuten stürzen größere
und kleinere Eisbrocken von der 60m hohen Front in den See und
treiben als Eisberge davon. Man selbst steht dem ganzen auf einer
Halbinsel frontal gegenüber und kann so recht gar nicht fassen, was
man da sieht. Leider kommt das auf den Bildern natürlich nur bedingt
rüber. Die beiden anderen großen Gletscher des Sees erreicht man
nur auf einem sündhaft teuren Boot, was wir uns gespart haben.
Gewohnt haben wir
übrigens immer in Hostels, welche es hier zu Hauf gibt und in denen
man hier im Süden für im Landesvergleich äußerst teure 15€ pro
Nacht in gemischten Schlafräumen pennen kann und wo einem immer eine
Küche zur eigenen Versorgung geboten wurde. Letztendlich sind die
Dinger aber eine super Sache, da man ständig auf andere Reisende
trifft, die einem Ideen zur Weiterreise geben und immer ziemlich viel
zu erzählen haben, ob es nun eine Schiffüberfahrt von Panama nach
Kolumbien ist oder eine Motorradtour von Alaska bis nach Ushuaia. Die
meisten Reisenden kommen hier übrigens aus Mitteleuropa, Amerika und
erstaunlicherweise aus Israel, von denen man ständig riesige Gruppen
antrifft. Patagonien scheint für die Israelis nach der
Militärausbildung das zu sein, was für die Deutschen nach dem Abi
Australien ist.
Von El Calafate ging es
dann durch die, seit Nordfeuerland immer gleiche Steppe, nach El
Chalten (ich hatte irgendwie gedacht Patagonien sei bewaldet, aber
ich wurde auf tagelangen Busfahrten eines anderen belehrt). Da diese
aber durch krasse Bergformationen und stahlblaue Flüsse unterbrochen
wurde, war auch diese Landschaft hier unten noch ein Erlebnis.
El Chalten wurde erst
vor knapp 30 Jahren gegründet und sieht dementsprechend aus,
eigentlich ganz nett, aber an allen Ecken und Enden wird noch gebaut.
So auch bei unserem Hostel, wo der zweite Stock noch ein Rohbau war
und der erste Stock auch noch nicht so richtig fertig war. Hier
trifft sich auf jedenfall alle Welt zum Bergsteigen und Klettern, da
mit dem FIitz Roy und dem Cerro Torre, trotz geringer Höhe, zwei der
schwerst zu bekletternden Berge auf einen warten. Wir haben es mal
dabei belassen, bis zum Fuß der beiden Berge und auf einen
einfacheren Berg zu wandern, was immernoch einige Höhenmeter und
täglich 30km bedeutete. Auch hier ist noch alles voll von
Gletschern, diesmal aber eher vom einem Format, wie man es von den
Alpen kennt. Auch ein Andenkondor (einer der größten lebenden und
flugfähigen Vögel mit bis zu 3m Flügelspannweite), ist bei einer
Pause in 10m Entfernung von uns lang geflogen.
Nach 4 Nächten in dem
Andendorf ging es dann auf eine, laut Plan 27stündige Busfahrt über
die Ruta 40 nach Bariloche. Die Straße ist weitestgehend eine
Schotterpiste, wie eigentlich viele der weniger befahrenen Straßen
in Patagonien. Leider war aber unser Bus nicht wirklich
funktionstüchtig, sodass tagsüber die Sonne den Bus krass
aufgeheizt hat und keine Klimaanlage oder Lüftung funktioniert hat
und außerdem alle paar Stunden der Motor aufgegeben hat. Die beiden
Busfahrer haben es dann zwar immer wieder hinbekommen, dass Ding
wieder zum Laufen zu bringen, aber damit hat unsere Fahrt dann
annähernd 35 Stunden gedauert und das alles durch eine letztendlich
doch ziemlich eintönige Schotterwüste. Auf jeden Fall war man am
Ende froh in Bariloche anzukommen.
Bariloche, welches vom
Stadtbild und von der Landschaft sehr an die Schweiz erinnern soll,
hat wirklich einen sehr schweizerisch Hauptplatz, alles andere sieht
genauso aus wie sonst auch. Drumherum geht aber ein See in den
nächsten über und direkt dahinter sieht man schneebedeckte Berge,
sodass man schon verstehen kann, warum es auf Südamerikaner
schweizerisch wirkt. In Bariloche musste sich mein Mitreisender dann
auf den Heimweg machen. Ich bin aber mit zwei anderen Deutschen, die
wir unterwegs kennengelernt haben, über einen Andenpass nach Pucón
(Chile) gefahren, welches unterhalb des aktiven Vulkans Villarrica
(ca. 2900m hoch) liegt, den man ohne große Probleme besteigen kann.
Das ganze ging aber nur in organisierten Touren und mit vollen
Equipment: Bergschuhe, warme Jacke+Hose, Helm, Eispickel, Spikes für
die Schuhe etc. Brauchen tat man das alles, da man den oberen Teil
des 5 stündigen Aufstiegs über einen Gletscher laufen musste, den
man aber beim Abstieg auf mitgebrachten Bobs in einem Affentempo
wieder herunter rodeln konnte. Deshalb gestaltete sich der Abstieg
auch wesentlich entspannter. Oben waren die Ränder des Kraters ohne
weiteres betretbar, nur eine Seite war etwas kritisch, da dort die
ganzen Schwefeldämpfe austraten. Auf jeden Fall eine ziemlich
eindrückliche Kulisse da oben, mit dem rauchenden Krater auf der
einen und der endlos weiten Aussicht auf der anderen Seite, wo man in
der Ferne noch 5 bis 6 andere Vulkane sehen konnte (unter anderem
wohl den aktivsten Vulkan Südamerikas).
Von dort hab ich mich
dann wieder Richtung Buenos Aires aufgemacht, jedoch mit einer
Zwischenstation bei einer Mitfreiwilligen bei Neuquen, da es sonst
wieder eine zigstündige Fahrt geworden wäre (die Grenzkontrollen
alleine zogen sich schon immer ziemlich hin).
Sonntag bin ich dann
also nach drei Wochen, davon ca. 100 Stunden allein in Bus und
Flugzeug und zurückgelegten 7400 km wieder hier angekommen und auch
hier stand eine Neuerung an: mein Mitfreiwilliger ist wieder nach
Deutschland zurückgekehrt, da er hier Probleme hatte und damit die
Konsequenzen gezogen hat. Ich wohne also jetzt alleine hier in meiner
Hütte, bin damit aber eigentlich nicht unglücklich und gewöhne
mich erstmal wieder an das trubelige Stadtleben, welches man in den
endlosen Weiten von Patagonien etwas verdrängt hat.
Ushuaia:
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| Magellanstraße von oben |
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| In Ushuaia scheint man guten Geschmack zu haben |
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| Beagle Kanal, Ushuaia und vorgelagerter Flughafen |
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| Die relativ unspektakuläre Magellanstraße |
Perito Moreno:
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| 60m hohe Eiswand |
El Chalten:
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| Unser Hostel |
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| Der Fitz Roy |
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| Whiskey und Zigarre auf dem Gipfel ;-) |
Bariloche:
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| Sehr schweizerisch, sogar mit Bernadinern, die an jeder Ecke für Fotos bereit standen |
Pucón (Chile), Villarrica-Vulkan
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| Erster Blick |
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| Strand, unterhalb vom Vulkan |
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| So einfach gings wieder runter |