Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Spanisch (oder Castellano, wie die ihre Sprache hier nennen) deutlich besser geworden ist und inzwischen für sämtliche Alltagssituationen ausreicht (natürlich noch mit Fehlern, aber man versteht mich). Außerdem findet man sich in der Stadt immer besser zurecht, mit all den Unterschieden zu Deutschland (Busse, Öffnungszeiten, der Größe der Stadt etc.).
Ein paar Unterschiede seien hier mal zum Besten gegeben: Mein Mitfreiwilliger ist Vegetarier und nach den ersten Wochen muss man sagen, dass dieses fleischgeile Land nichts für diese Art von Mensch ist. Wenn man hier ausdrücklich sagt, dass man Vegetarier ist, bekommt man einfach Gerichte mit Hühnchen, Schinken oder sonstigem Schweinefleisch angeboten. Vegetarier sind hier anscheinend nur Rindverächter.
Weiter gibt es hier zwar Mautstationen, wie man sie aus Italien kennt, allerdings kommt es oft vor, dass bei langen Schlangen einfach alle anfangen zu Hupen und kurze Zeit später werden alle Schranken geöffnet und man kann durchfahren. Überhaupt ist das Verkehrssystem seltsam. Ich habe ja schon von den irrsinnig vielen Bussen geschrieben, die einem das Leben schwer machen (ich fahre mittlerweile eigentlich nur noch Bahn und U-Bahn). Bis vor kurzem war es dann zusätzlich noch so, dass alle in den Bussen bar zahlen mussten, Monatskarten oder so etwas gab es nicht. Das Problem war, dass man nur mit Münzen zahlen konnte, es aber eigentlich nur Papiergeld gibt. Daraus ergab sich in dieser Riesenstadt ein Münzmangel, sodass zum Teil 1 Peso Münzgeld für 2 Peso Papiergeld auf der Straße verkauft wurden. Vor einigen Monaten wurde nun ein neues System mit einer Guthabenkarte eingeführt, mit der man in jedem Bus/Bahn/U-Bahn bezahlen kann und die man an jedem Kiosk aufladen kann. Ich hab also Glück. Ansonsten sind die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sehr niedrig. Ich zahle z.B. 90 Centavos (15 Cent) für die halbe Stunde Zugfahrt in die Innenstadt.
Das mit dem Geld ist hier eh so eine Sache. Hier ist im Moment eine krasse Inflation im Gange die im 25% beziffert wird. Wegen der sich anbahnenden Flucht in andere Währungen hat man deren Erwerb hier jetzt komplett unterbunden. Man kommt also als Argentinier an keiner Bank mehr an ausländischen Währungen. Dafür wird man als Ausländer jetzt aber an jeder Ecke angesprochen, ob man nicht Euros oder Dollars dabei hat, die man dann zum andertalbfachen des wirklichen Kurses eintauschen kann. Von der Regierung wird diese Inflation derweil einfach geleugnet, obwohl selbst ich, allein in diesem einen Monat deutliche Preissprünge mitbekommen habe. Leider kommt der Euro im Umtauschkurs nicht ganz mit, weswegen Argentinien nicht wirklich billiger ist als Deutschland wenn es um Essen, Kleidung oder Eintrittspreise geht. Dazu kommt noch, dass der größte Schein, der 100 Pesoschein ist, also sagenhafte 17 Euro. Man rennt also immer mit großen Bündeln Geld herum, wenn man mal etwas mehr bezahlen muss.
So, am Wochenende war ich wieder in der Stadt unterwegs, einmal im Stadtteil La Boca. Einem ärmlichen Stadtteil der Hafenarbeiten, die früher immer die Reste der Schiffslacke für ihre Häuser bekommen haben und daher das ganze Stadtviertel bunt war. Mittlerweile beschränkt sich dass noch auf drei kurze, für Touristen aufgemachte Straßen, die inmitten des ansonsten völlig durchschnittlichen Stadtteils liegen. Da ist dann aber der Bär los und alles voll mit Touristen, Tangotänzern und Boca Juniors Fanshops. Als ich da war, fand zufällig auch gerade das wohl sehr brutale Stadtderby Boca Junios vs. Riverplate (der arme Süden "Boca" gegen den reichen Norden "River Plate" der Stadt) statt. Zwar im River Plate Stadion, welches bei uns um die Ecke im Norden liegt, aber trotzdem waren die Straßen voll mit Boca-Fans, die ihre Fernseher auf der Straße aufgebaut hatten und alle am gucken waren. Auf dem Rückweg hab ich dann die ganzen River-Fans getroffen, die aus dem Stadion strömten.
Danach hab ich mir dann noch das, dem Capitol in Washington nachempfundene Nationale Capitol angeschaut.
Heute war ich mal bei einem Volleyballverein in der Nähe zum Probetraining. Zwar haben die bald Sommerpause, aber danach fange ich dann denk ich da an. Sport ist einfach die beste Methode hier mit Leuten aus dem Viertel in Kontakt zu kommen.
Mittlerweile haben wir hier übrigens, sobald die Sonne scheint, gut 27-30 Grad. Der Sommer bahnt sich also an.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
| Hafenanlagen in La Boca |
| Touristenecke in La Boca |
| Touristen, Touristen, Touristen |
| Public-Viewing in Argentinien |
| Die besagten Häuser |
| La Bombonera (Stadion von La Boca) erhebt sich über das Viertel |
| Avenida 9 de Julio, die breiteste Prachtstraße der Welt (Argentinier kennen nur Superlative, die Wahrheit der Aussage wird bezweifelt) |
| Das Capitol |
In Coral Bay, Wa, Australia ;)
AntwortenLöschenLiebe grüße l, Valentin
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Grüße zurück übern Pazifik;-)
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