Mittwoch, 12. Dezember 2012

Weihnachten oder Sommer, was denn nun eigentlich?

Schon wieder sind zwei Wochen vergangen und ich hab schon das Gefühl mich ganz gut in Buenos Aires und gerade in unserem Viertel auszukennen, mich ohne Probleme mit den Bussen und Bahnen zurechtzufinden und auch verständigungstechnisch weitergekommen zu sein. Die Werktage bestehen weiterhin meist aus Arbeit bis Nachmittags und danach viel Sport. Bei dem Sommerwetter ist es eben ganz schön, dass man eigentlich immer raus kann und nie groß den Wetterbericht checken muss.
Die Wochenenden sind dann die wirklich abwechslungsreichen Tage. Meistens trifft man sich, vorallem Abends, im Zentrum mit Leuten und verbringt den Abend zusammen. Dabei sind wir dann meist mit anderen Freiwilligen unterwegs, da man sie vom Vorbereitungsseminar gut kennt und eben das Interesse teilt neue Orte und Viertel kennenzulernen. Mit Argentiniern kommt man dabei auch immer schnell in Kontakt, man merkt dabei die berühmte südländische Mentalität: ein sehr offenes Entgegenkommen und sofortiges Interesse, großartig langwierige Freundschaften entwickeln sich aber nicht daraus. Dies ist natürlich auch der Größe der Stadt geschuldet, wo man gerne mal an völlig anderen Enden wohnt und sich eben nur zufällig in der Stadt trifft. Mit Leuten aus meinem Viertel hatte ich bisher wenig Kontakt, da man eben meist ins Zentrum fährt, wenn man weggehen will und die Wahrscheinlichkeit dort auf Nachbarn zu treffen denkbar gering ist. Vielleicht ändert sich das ja durch das Volleyballtraining, welches im Februar wieder losgeht und hier um die Ecke stattfindet.
Interessant ist auch die große Zahl an Interessierten an der deutschen Sprache in Buenos Aires. Viele, die Deutsch lernen, haben großes Interesse daran, sich mit Deutschen zu treffen und so die gerade gelernte Sprache auszuprobieren und zu verbessern und geben dem Gegenüber dabei eben die selbe Möglichkeit. Dadurch gibt es hier eine ganze Kultur dieser Sprach-"Tandems" und das Goethe-Institut, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft und anderen Organisationen, organisiert Treffen von Deutschen und Argentiniern jeden Monat in einer Bar in der Innenstadt. Dies ist also eine der leichtesten Möglichkeiten Leute zu finden, die einem einen anderen Blick, als den des Touristen auf die Stadt zu ermöglichen.
 Die Wochenenden sehen dabei aber immer einen sehr verschlafenen Sonntag vor, da die Argentinier, wie bereits vor einiger Zeit mal beschrieben, frühestens um 3 Uhr auf die Idee kommen, sich in Richtung eines Clubs aufzumachen. Auch dieses Wochenende war mal wieder davon geprägt. An meinem Geburtstag habe ich eher einen ruhigen Tag gemacht, um dann am Samstag erst hier an der Schule und später in der Stadt mit einigen Leuten zu feiern. Als wir nach Hause kamen schien die Sonne dann schon wieder so vom Himmel, dass man anfing zu schwitzen.
Ein bisschen blöd war dabei, dass ich, aufgrund eines großen Unwetters am Donnerstag mit Blitzeinschlage in unser Internetkabel, dieses Wochenende kein Internet hatte und somit alle Glückwünsche erst Montag empfangen konnte. Montagnachmittag ging dann schon das nächste Unwetter mit starken Wind runter. Ich will nicht wissen, wie es zeitweise in den ärmeren Vierteln/Slums aussah. Ohne asphaltierte Straßen und mit niedrigen Häusern, sind bestimmt die meisten Wohnungen vollgelaufen. Was uns unser Portier von seinem Viertel auch bestätigen konnte. Das ganze, vor allem das Unwetter am Donnerstag, folgte mal wieder auf eine Woche mit enormer Hitze und noch größerer Luftfeuchtigkeit, die das Arbeiten ziemlich anstrengend gemacht haben. Mal sehen wie es weitergeht, normalerweise ist es hier wohl im Dezember, Januar und Februar trockener als bisher erlebt.
An der Schule geht jetzt gerade das Schuljahr zu Ende. Letzte Woche wurden die 12. Klassen (hier die höchste Klasse) verabschiedet und diese Woche gibt es nur noch einige Präsentationen. Danach gibt es bis Ende Februar Sommerferien für Lehrer und Schüler - nicht für mich, da jetzt die großen Arbeiten wie Fenster erneuern, Tafeln reparieren etc. anfangen, die im Schulalltag nicht möglich sind. Unten gibt es mal ein paar Bilder von den ersten Spuren, die ich an der Schule hinterlassen hab.
In Sachen Weihnachten kann man nur von großer Verwirrung berichten. Bei 30 Grad und Sonne kommt man überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung und trotzdem sieht man in allen Schaufenstern Weihnachtsmänner, Rentierschlitten und Kunstschnee und vor unserem Supermarkt steht ein dick eingemummter, lebensgroßer Weihnachtsmann der bei jedem Vorbeigehenden Jingle Bells singt. Sehr merkwürdig, als welch exotisches Fest die Menschen hier Weihnachten betrachten müssen, da es einfach nicht zum Land passt.
Die Pläne für die nächsten Wochen sehen so aus, dass wir mit mehreren Freiwilligen über Silvester nach Mar del Plata, eine Stadt am Atlantik mit vielen Stränden, fahren und vorher Weihnachten bei den Freiwilligen auf dem Bauernhof La Choza in recht großer Runde feiern.
Also allen eine schöne Weihnachtszeit, so weihnachtlich sie auch immer seien mag,
Viele Grüße
David 
Unser Rondell beim Herbstbasar

Kleiner Wasserlauf für den vorher gebauten Teich, in dem jeden Tag mehr Fische leben, da die Schüler ihr Aquarien zu Hause leeren und immer mehr Fische in die Schule bringen

Platz der Vereinten Nationen

Abendliche Panamaricana, ca. 300m von unserem Haus entfernt. Man merke: mit Auffahrtspuren 18 spurig!!


Reichen- und Vergnügungsvorort Tigre, direkt am Paranadelta gelegen

Tigre

Geschichtsträchtiger Ruderclub Tigre


Planetarium von Buenos Aires

Park mitten in Buenos Aires

International Jazzfestival Buenos Aires



Freitag, 23. November 2012

Ab in die Pampa

Diese Woche hat es endlich mit der Klassenfahrt geklappt, welche vor jetzt schon über einem Monat wegen Regens nicht stattfinden konnte. Jetzt bin ich aber nicht mit der 7. Klasse, wie damals vorgesehen gefahren, sondern mit der 6. Es geht dabei immer auf ein Grundstück etwas nördlich von Buenos Aires, welches die Schule besitzt. Dort soll eigentlich jede Woche eine Klasse hinfahren, aber aufgrund von Regen und den dortigen Straßenverhältnissen, ist es oft mehrere Wochen lang nicht möglich. Das Ganze befindet sich gut 80 Kilometer außerhalb von Buenos Aires, wo man von einer Landstraße aus noch ungefähr 15 Kilometer auf Feldwegen fahren muss. Dieser Teil wird nach dem kleinsten Regen unüberwindlich für jedes nicht vierrädrig angetriebene Auto.
Auf dem Weg aus der Stadt fährt man dabei durch sämtliche Vorstädte von Buenos Aires, welche langsam immer größeren Fabriken weichen, neben denen sich meist große Armenviertel befinden, wo wahrscheinlich die Arbeiter rekrutiert werden. Außerdem gibt es dort außerhalb der Stadt große Wohnresorts mit gefängnisartigen Mauern drumherum (wobei der Stacheldraht natürlich nach außen gerichtet ist), in welchen sich edelste Villenviertel und Hotels befinden. Dazu viele Seen und künstliche Hügel. Man kann sich hier also seine Welt, mit dem nötigen Kleingeld so schön machen, wie man sie gerne hätte. 
Die Schule besitzt dort also ein ca. 70 Hektar großes Stück Land, welches von einem eigens angestellten "Gaucho" bestellt wird (vornehmlich Weideland für Kühe, Schafe etc.) und auf dem sich, in einem bewaldeten Stück, mehrere selbstgebaute Häuser (weit und breit kein Strom!) für die Klassen befinden. Das Land gehörte ursprünglich Bauern, welche die Schule kannten und ihr das Land vererbt haben. Die Klassen bauen dann dort entweder neue Häuser und Ställe oder Pflanzen Bäume entlang der Felder oder bestellen den Garten.
Wir waren also von Mittwoch bis Freitag dort. Leider hat es Donnerstag etwas geregnet, sodass wir heute (Freitag) keine Gefährt dorthin beordern konnten für das Gepäck und die Fahrräder, mit denen die Schüler einen Teil des Hinweges gefahren waren. Das Gepäck und die Fahrräder wurden also dort gelassen und wird sind eine Stunde über Felder, Bäche und Zäune zu einer anderen, nähergelegenen Straße gelaufen und wurden dort abgeholt. 
Die ganze Fahrt war echt schön, da man mal wieder aus der Stadt rauskam und dort die Weite und Ruhe der Pampa erleben konnte, die sich hier ja endlos viele Kilometer um Buenos Aires und durch die ganze Mitte Argentiniens erstreckt. Außer der Klassenlehrerin war noch der Gartenbaulehrer der Schule dabei, der diese Fahrten immer leitet und gut Deutsch spricht, da seine einen Großeltern Deutsche waren, die 1930 in das nördlicher gelegene Missiones (immer noch eine sehr deutsche Region) ausgewandert sind. Er ist der langgedienteste Lehrer der Schule und konnte mir, endlich mal ohne Sprachbarriere, ganz interessant schildern wie die Schule zur Anfangszeit aussah und wie z.B. die Stimmung in Argentinien während der Militärdiktaturen war. Er war auch Waldorfschüler an einer anderen Schule in Buenos Aires gewesen und schon als Schüler oft auf das Stück Land gefahren, damals noch in der Hand der Bauern.
Das Wochenende vorher habe ich, mit ein paar anderen Freiwilligen aus Buenos Aires, die Freiwilligen auf La Choza besucht, bei denen man sich ernsthaft gefragt hat, wie sie die heißen Tage auf den Feldern ohne Schatten überlebt haben. Anscheinend war es aber weniger problematisch als gedacht.
Außerdem hab ich mir hier schon vor längerer Zeit ein Longboard gekauft (eine Art Skateboart, nur länger mit größeren Rollen) mit dem ich mir immer mehr die Umgebung anschaue. Letzte Woche war ich damit hier am Ufer des Rio de la Plata, wo es auch Berge gibt zum herunterfahren (ansonsten ist Buenos Aires vollkommen platt). Auf jeden Fall hab ich dort eine große Gruppe anderer Longboarder getroffen, die dort regelmäßig fahren. Hoch gehts dabei dann immer mit Autos, die kurz anhalten, sodass man sich festhalten kann und einen dann hochziehen. Dort werde ich also denke ich öfters mal vorbeischauen. 
Ansonsten wird es immer wärmer und trotzdem wird alles auf Advend und Weihnachten getrimmt. Ein völlig komisches Gefühl in jedem Geschäft Weihnachtsmänner und Rehntiere zu sehen und dabei in 30°C unterwegs zu sein. Diese Woche hatten wir dabei aber nicht viel Arbeit, da der Hausmeister einen Hexenschuss hat und uns daher nicht wirklich Arbeiten geben konnte. 
Im Anhang also noch Bilder der Klassenfahrt,
Saludos 
David 

 
Mit dem Bus über den noch trockenen Feldweg






Platt und Felder so weit das Auge reicht

Ausgelaugtes und verbranntes Sojafeld des Nachbarbauerns


Tor zum Schulgrundstück




Sonntag, 11. November 2012

argentina, sunshine and happiness

Nachdem ich hier letztes Mal vom sich anbahnenden Sommer gesprochen hab, hat sich dieser ganz gut entwickelt gehabt. Wir hatten hier bis Donnerstag andertalb Wochen puren Sonnenschein. Was am Anfang noch ganz schön war, da man viel draußen machen konnte, war am Ende echt anstrengend. Tagsüber immer deutlich über 30 Grad im Schatten, von Temperaturen in der Sonne ganz zu schweigen und nachts auch nie unter 28 Grad. Dazu 70% Luftfeuchtigkeit, sodass man nur einen Finger bewegen musste und schon anfing zu schwitzen. Zum Glück wirkten auch die Argentinier sehr angestrengt durch das Wetter, man hatte also nicht das Gefühl, dass es im Sommer dann nochmal wesentlich heißer wird. Anscheinend war es eben auch untypisch warm für den Frühling. An den letzten Tagen gab es dann andauernd Stromausfälle, die auch die ganze Innenstadt betrafen und dort anscheinend ein ziemliches Verkehrschaos ausgelöst haben (die Ampeln haben ja nicht funktioniert). Ist nen bisschen die Frage, ob das einfach ne Sache von Überlastung aufgrund der vielen Klimaanlagen war oder andere Gründe hatte. Jedenfalls hatte es hier eigentlich seit Jahren keine größeren Stromausfälle mehr gegeben. Für uns hieß dies dann Kochen mit Taschenlampe zwischen den Zähnen und Essen im Kerzenschein;-)
Am Freitag gabs dann ein krasses Gewitter, bei dem wieder sämtliche Straßen abgesoffen sind und seitdem ist es kühl. Ganz interessant war, dass 5 Minuten vor der Gewitterfront eine riesen Wolke Libellen unterwegs war, die anscheinend von überall her vor dem Gewitter flohen und sich eben in einer großen Wolke über das Schulgelände verteilt haben. Plötzlich war die ganze Luft erfüllt von unendlich vielen Libellen, genau so, wie man sich eine Heuschreckenplage vorstellt, nur halt Libellen, die es hier eigentlich nicht übermäßig viel gibt. Das Phänomen hatte auch noch kein Lehrer der Schule jemals so erlebt. Nachdem das Gewitter vorbei war, dachte man eigentlich, dass die Libellen weitergezogen wären, aber viele haben bis zum nächsten Tag am Schulzaun übernachtet (siehe Fotos) und gestern war dann wieder alles voll mit Libellen. Eine sehr komische Atmosphäre. 
Ansonsten war hier dieses Wochenende ein Flohmarkt an der Schule, zu dem Eltern ihren ganzen alten Kram gebracht hatten und den dann zu Gunsten der Schule verkauft haben. Gemessen an dem, was hier vorbeigebracht wurde, merkte man dabei, dass diese Schule hauptsächlich von Schüler aus relativ gut betuchten Familien besucht wird. Von älteren Flachbildfernsehern bis zu Apple-Computern war alles dabei. Alles Sachen, die man nicht unbedingt bei den meisten Argentiniern in den Wohnungen vermuten würde...
Dieses Wochenende waren wir wieder mit anderen Freiwilligen unterwegs und sind gestern Nacht bei Argentiniern in der Wohnung gelandet, wo man mal sehen konnte, wie hier die ganz reichen leben. Im schönsten Villenviertel mit vielen Parks in einem sehr edlen Apartmenthaus mit Portier und Aufzug direkt in die Wohnung. Das ganze dann um die Ecke von der Innenstadt und der Avenida 9 de Julio. Auf dem Weg dahin viel dann wieder die argentinische Zeitauffassung auf. Nachts um 2 Uhr sind immernoch alle Restaurants voll mit Menschen (gerade gereifteren Alters), die sich ihre Fleischplatten genehmigen und keinesfalls so wirken, als wollten sie bald nach Hause.
Viele Grüße also ins kalte Deutschland und wo sonst noch dieser Blog gelesen wird,
David 
Kochen mit Taschenlampe (mit Blitz aufgenommen)

Kochen mit Taschenlampe (ohne Blitz)

candle light dinner


Libellen an unserem Zaun

... und fliegenderweise

Donnerstag, 1. November 2012

Einen Monat Argentinien, Steak und Großstadt

Und schon ist der erste Monat rum. 
Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Spanisch (oder Castellano, wie die ihre Sprache hier nennen) deutlich besser geworden ist und inzwischen für sämtliche Alltagssituationen ausreicht (natürlich noch mit Fehlern, aber man versteht mich). Außerdem findet man sich in der Stadt immer besser zurecht, mit all den Unterschieden zu Deutschland (Busse, Öffnungszeiten, der Größe der Stadt etc.).
Ein paar Unterschiede seien hier mal zum Besten gegeben: Mein Mitfreiwilliger ist Vegetarier und nach den ersten Wochen muss man sagen, dass dieses fleischgeile Land nichts für diese Art von Mensch ist. Wenn man hier ausdrücklich sagt, dass man Vegetarier ist, bekommt man einfach Gerichte mit Hühnchen, Schinken oder sonstigem Schweinefleisch angeboten. Vegetarier sind hier anscheinend nur Rindverächter. 
Weiter gibt es hier zwar Mautstationen, wie man sie aus Italien kennt, allerdings kommt es oft vor, dass bei langen Schlangen einfach alle anfangen zu Hupen und kurze Zeit später werden alle Schranken geöffnet und man kann durchfahren. Überhaupt ist das Verkehrssystem seltsam. Ich habe ja schon von den irrsinnig vielen Bussen geschrieben, die einem das Leben schwer machen (ich fahre mittlerweile eigentlich nur noch Bahn und U-Bahn). Bis vor kurzem war es dann zusätzlich noch so, dass alle in den Bussen bar zahlen mussten, Monatskarten oder so etwas gab es nicht. Das Problem war, dass man nur mit Münzen zahlen konnte, es aber eigentlich nur Papiergeld gibt. Daraus ergab sich in dieser Riesenstadt ein Münzmangel, sodass zum Teil 1 Peso Münzgeld für 2 Peso Papiergeld auf der Straße verkauft wurden. Vor einigen Monaten wurde nun ein neues System mit einer Guthabenkarte eingeführt, mit der man in jedem Bus/Bahn/U-Bahn bezahlen kann und die man an jedem Kiosk aufladen kann. Ich hab also Glück. Ansonsten sind die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sehr niedrig. Ich zahle z.B. 90 Centavos (15 Cent) für die halbe Stunde Zugfahrt in die Innenstadt.
Das mit dem Geld ist hier eh so eine Sache. Hier ist im Moment eine krasse Inflation im Gange die im 25% beziffert wird. Wegen der sich anbahnenden Flucht in andere Währungen hat man deren Erwerb hier jetzt komplett unterbunden. Man kommt also als Argentinier an keiner Bank mehr an ausländischen Währungen. Dafür wird man als Ausländer jetzt aber an jeder Ecke angesprochen, ob man nicht Euros oder Dollars dabei hat, die man dann zum andertalbfachen des wirklichen Kurses eintauschen kann. Von der Regierung wird diese Inflation derweil einfach geleugnet, obwohl selbst ich, allein in diesem einen Monat deutliche Preissprünge mitbekommen habe. Leider kommt der Euro im Umtauschkurs nicht ganz mit, weswegen Argentinien nicht wirklich billiger ist als Deutschland wenn es um Essen, Kleidung oder Eintrittspreise geht. Dazu kommt noch, dass der größte Schein, der 100 Pesoschein ist, also sagenhafte 17 Euro. Man rennt also immer mit großen Bündeln Geld herum, wenn man mal etwas mehr bezahlen muss.

So, am Wochenende war ich wieder in der Stadt unterwegs, einmal im Stadtteil La Boca. Einem ärmlichen Stadtteil der Hafenarbeiten, die früher immer die Reste der Schiffslacke für ihre Häuser bekommen haben und daher das ganze Stadtviertel bunt war. Mittlerweile beschränkt sich dass noch auf drei kurze, für Touristen aufgemachte Straßen, die inmitten des ansonsten völlig durchschnittlichen Stadtteils liegen. Da ist dann aber der Bär los und alles voll mit Touristen, Tangotänzern und Boca Juniors Fanshops. Als ich da war, fand zufällig auch gerade das wohl sehr brutale Stadtderby Boca Junios vs. Riverplate (der arme Süden "Boca" gegen den reichen Norden "River Plate" der Stadt) statt. Zwar im River Plate Stadion, welches bei uns um die Ecke im Norden liegt, aber trotzdem waren die Straßen voll mit Boca-Fans, die ihre Fernseher auf der Straße aufgebaut hatten und alle am gucken waren. Auf dem Rückweg hab ich dann die ganzen River-Fans getroffen, die aus dem Stadion strömten.
Danach hab ich mir dann noch das, dem Capitol in Washington nachempfundene Nationale Capitol angeschaut. 
Heute war ich mal bei einem Volleyballverein in der Nähe zum Probetraining. Zwar haben die bald Sommerpause, aber danach fange ich dann denk ich da an. Sport ist einfach die beste Methode hier mit Leuten aus dem Viertel in Kontakt zu kommen. 
Mittlerweile haben wir hier übrigens, sobald die Sonne scheint, gut 27-30 Grad. Der Sommer bahnt sich also an.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
Hafenanlagen in La Boca

Touristenecke in La Boca

Touristen, Touristen, Touristen


Public-Viewing in Argentinien

Die besagten Häuser

La Bombonera (Stadion von La Boca) erhebt sich über das Viertel

Avenida 9 de Julio, die breiteste Prachtstraße der Welt (Argentinier kennen nur Superlative, die Wahrheit der Aussage wird bezweifelt)

Das Capitol

 
 

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Jaja, manchmal arbeiten wir auch

An dieser Stelle jetzt endlich mal etwas zu der Arbeit, die ich hier verrichte. Ich bin hier an einer Waldorfschule zusammen mit einem anderen Freiwilligen der Hilfshausmeister. Das heisst, es gibt einen festangestellten Hausmeister, welchen wir unterstützen. Außerdem gibt es noch einen Pförtner, der ebenfalls viele Tätigkeiten übernimmt, die Sache von Hausmeistern sind.
Ein Tag sind dann folgendermaßen aus, wir stehen morgens gegen 7:30 auf, frühstücken und treffen uns um 8 mit dem Hausmeister an der Werkstatt. Er erklärt uns dann, was am Tag so alles zu tun sei oder bespricht mit uns, was man am besten als nächstes machen könnte. Oft sind es Reparaturarbeiten, die ihm von Lehrern oder den Kindergärtnerinnen des nahegelegenen Waldorfkindergartens angetragen worden sind: Stühle reparieren, Gardinen aufhängen, bei Veranstaltungen Stühle und Tische herumtragen, Rasen mähen, Müll aufsammeln, Schlösser und Steckdosen austauschen oder den ständig kaputten Basketballkorb reparieren usw. Außerdem gibt es immer wieder größere Baustellen, an denen man dann mehrere Tage arbeitet. So z.B. ein Rondell, welches wir in der letzten Woche gemauert haben oder ein kleiner Teich, der kurz vor meiner Ankunft gebaut wurde. 
Diese Tätigkeiten gehen dann so bis 10 Uhr, bis wir uns zum Pförtner setzen und Mate trinken. 
Für alle die es nicht kennen: Yerba Mate ist ein Strauch der im Norden von Argentinien wächst und dessen stark koffeinhaltige Blätter in ganz Argentinien mit heißem Wasser aufgegossen in extra Matebechern (meist ein bearbeiteter Kürbis) mit einem eisernen Strohhalm getrunken werden. Dabei wird der Becher fast bis oben hin mit den geschredderten Blätten gefüllt und immer nur ein paar Schluck heißes Wasser aufgegossen. Das ganze wirkt dann wie ein Ritual, es wird immer nur aus einem Becher getrunken, der reihum geht und immer vom Besitzer des Bechers neu mit Wasser gefüllt wird. Das Zeug ist extrem stark und je nach Sorte gerne mal bitter aber eben gut aufputschend. 
Die ersten Missionare hatten es anfangs wohl einige Zeit verboten, bis sie merkten, dass die Indianer wesentlich härter arbeiten konnten, solange sie ihren Mate hatten. 
Man trinkt Mate hier überall, bei Arbeiten, im Unterricht oder beim Einkaufsbummel, deswegen rennen hier auch alle mit Thermosflaschen unter dem Arm und dem Becher mit Bombilla (Strohhalm) in der Hand herum.
Das geht dann jedenfalls im Schnitt bestimmt eine halbe Stunde, bevor man die Arbeit bis 12:30 Uhr fortsetzt. Dann haben wir bis 13:30 Mittagspause und arbeiten danach noch bis 16/16:30 Uhr weiter. Am Anfang hatte ich kaum glauben können, dass die für mein Verständnis relativ kleine Schule genug Arbeit für die vielen Arbeitskräfte abwerfen könnte, aber bisher waren wir immer gut beschäftigt. Was vielleicht auch an den vielen provisorisch geflickten Gegenständen in der Schule liegt, die nie besonders lange halten. Der typische Argentinier flickt wohl eh nur alles mit Draht, wie es im Volksmund heisst (für die Kanadier war das Wundermittel damals das duct tape). Besonders haltbar ist das natürlich nicht.
So arbeiten wir 5 1/2 Tage die Woche (Montags bis Samstagmittag), wobei wir uns einen Nachmittag freinehmen dürften, diesen jedoch im Moment lieber als jeweils halben Ferientag ansparen.
Die Schule selber besteht, ähnlich wie die dortmunder Schule aus zwei Hauptgebäuden (nur kleiner) für die Ober- und Unterstufe und wurde vor ich glaube um die 50 Jahren von einer Deutschen gegründet. Diese Frau wohnt immernoch in der Nähe, ist jedoch mittlerweile schwer dement und kommt nur selten auf das Schulgelände.
Eigentlich hatte ich heute mehrere Fotos gemacht, leider sind viele davon aus unerklärlichen Gründen nicht zu öffnen, ich werd also morgen nochmal neue machen. Hier aber schonmal ein paar:

Roberto, der Pförtner


Der Hausmeister an unserem Rondell

Unsere Werkstatt


Blick über die Schule
Mate-Pause


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Puerto Madero, Klassenfahrt und Stromausfall

Die Woche bisher war noch nicht besonders spektakulär, da es die letzten Tage viel geregnet hat und man deswegen schlecht rauskam. Aber trozdem gab es interessante Dinge. 
Am Sonntag war ich mit drei weiteren Freiwillige, welche nach der Geburtstagsfeier einer Freundin am Samstag bei uns übernachtet haben in der Innenstadt und wir wollten uns das moderne Hafenviertel Puerto Madero und das dahinterliegende Naturschutzgebiet anschauen. Leider fiel unser Zug aus, da jemand kurz zuvor darunter geraten war, sodass wir auf Busse umsteigen mussten. Eigentlich ist es kein Wunder, dass hier so etwas passiert, wo alle Türen der Züge stehts offen stehen und Leute auf den Stufen davor sitzen. 
Jedenfalls haben wir uns in Richtung Puerto Madero aufgemacht, welcher direkt an die Innenstadt angrenzt, aber ein fast gegensätzliches Bild aufweist als der Rest der Stadt. Während die Innenstadt eng, voll, laut, dreckig und wenig grün ist (ohne das jetzt negativ zu bewerten, es ist denke ich halt einfach südamerikanisch), ist Puerto Madero weit, modern, clean und grün. Man kann den Stadtteil ein wenig mit der Speicherstadt in Hamburg vergleichen: ein ehemals hässliches Hafenviertel, was in den letzten Jahren durch moderne Bauten veredelt wurde. Mittenhindurch durch den Stadtteil geht ein Kanal, welcher die Insel auf der Puerto Madero liegt vollständig vom Festland trennt. Dahinter liegt ein großes Naturschutzgebiet, welches am Wochenende Ausflugsziel für tausende Porteños (Bewohner von Buenos Aires) ist. Auf der Insel fühlt man sich auf jeden Fall, wie in einer anderen Stadt, obwohl man nur 500 Meter vom Plaza de Mayo entfernt ist. Hier erkennt man auch das weltstädtische, welches einem in den engen Straßen von Buenos Aires sonst nicht so auffällt. Bilder gibt es weiter unten.
Mitte dieser Woche sollte ich dann eigentlich mit der 7. Klasse der Schule auf Klassenfahrt gehen, leider hat es die Tage vorher zu stark geregnet, sodass das Ziel der Fahrt, ein schuleigenes Stück Land in der Pampa, über die unbefestigten Straßen nicht mehr zu erreichen war. Wahrscheinlich wird die Fahrt aber in zwei Wochen nachgeholt, sodass ich dann mitkann. 
Außerdem kann ich berichten, dass wir seit zwei Tagen keinen Strom mehr haben. Leider sind die Sicherungen des Hauses dermaßen alt, dass sie nichtmehr produziert werden, sind aber so angebracht, dass sie bei starkregen Regen nass werden und kapputt gehen. Die Stromgesellschaft, die eigentlich nach 3 Stunden kommen und neue Sicherungen mitbringen wollte, ist leider immernoch nicht gekommen und ist nur immer "auf dem Weg und gleich da" wenn man sie anruft. Wir haben jetzt ein Kabel aus der Schule zu uns rüberliegen, können aber leider neben dem Kühlschrank nur begrenzt Geräte anschließen, da es sonst die Steckleiste überlastet. Aber wie ihr seht, komme ich noch ins Internet, allzu schlecht ergeht es uns also auch nicht;-) 
In den nächsten Tagen werde ich mir dann mal Zeit nehmen, etwas mehr über die Arbeit und meine Arbeitstage zu schreiben. Hier hört sich ja alles noch nach Tourileben an, obwohl ich eigentlich 5 1/2 Tage die Woche arbeite...
Grüße aus Buenos Aires
David 
Die Plaza de Mayo

Blick auf den Obelisken

Innenstadt

Puerto Madero

Aha, eine Naturschutzgebiet also. Müllentsorgungsgesellschaft Rio de la Plata


deutsche Ingenieurskunst in Argentinien

Puerto Madero