Freitag, 23. November 2012

Ab in die Pampa

Diese Woche hat es endlich mit der Klassenfahrt geklappt, welche vor jetzt schon über einem Monat wegen Regens nicht stattfinden konnte. Jetzt bin ich aber nicht mit der 7. Klasse, wie damals vorgesehen gefahren, sondern mit der 6. Es geht dabei immer auf ein Grundstück etwas nördlich von Buenos Aires, welches die Schule besitzt. Dort soll eigentlich jede Woche eine Klasse hinfahren, aber aufgrund von Regen und den dortigen Straßenverhältnissen, ist es oft mehrere Wochen lang nicht möglich. Das Ganze befindet sich gut 80 Kilometer außerhalb von Buenos Aires, wo man von einer Landstraße aus noch ungefähr 15 Kilometer auf Feldwegen fahren muss. Dieser Teil wird nach dem kleinsten Regen unüberwindlich für jedes nicht vierrädrig angetriebene Auto.
Auf dem Weg aus der Stadt fährt man dabei durch sämtliche Vorstädte von Buenos Aires, welche langsam immer größeren Fabriken weichen, neben denen sich meist große Armenviertel befinden, wo wahrscheinlich die Arbeiter rekrutiert werden. Außerdem gibt es dort außerhalb der Stadt große Wohnresorts mit gefängnisartigen Mauern drumherum (wobei der Stacheldraht natürlich nach außen gerichtet ist), in welchen sich edelste Villenviertel und Hotels befinden. Dazu viele Seen und künstliche Hügel. Man kann sich hier also seine Welt, mit dem nötigen Kleingeld so schön machen, wie man sie gerne hätte. 
Die Schule besitzt dort also ein ca. 70 Hektar großes Stück Land, welches von einem eigens angestellten "Gaucho" bestellt wird (vornehmlich Weideland für Kühe, Schafe etc.) und auf dem sich, in einem bewaldeten Stück, mehrere selbstgebaute Häuser (weit und breit kein Strom!) für die Klassen befinden. Das Land gehörte ursprünglich Bauern, welche die Schule kannten und ihr das Land vererbt haben. Die Klassen bauen dann dort entweder neue Häuser und Ställe oder Pflanzen Bäume entlang der Felder oder bestellen den Garten.
Wir waren also von Mittwoch bis Freitag dort. Leider hat es Donnerstag etwas geregnet, sodass wir heute (Freitag) keine Gefährt dorthin beordern konnten für das Gepäck und die Fahrräder, mit denen die Schüler einen Teil des Hinweges gefahren waren. Das Gepäck und die Fahrräder wurden also dort gelassen und wird sind eine Stunde über Felder, Bäche und Zäune zu einer anderen, nähergelegenen Straße gelaufen und wurden dort abgeholt. 
Die ganze Fahrt war echt schön, da man mal wieder aus der Stadt rauskam und dort die Weite und Ruhe der Pampa erleben konnte, die sich hier ja endlos viele Kilometer um Buenos Aires und durch die ganze Mitte Argentiniens erstreckt. Außer der Klassenlehrerin war noch der Gartenbaulehrer der Schule dabei, der diese Fahrten immer leitet und gut Deutsch spricht, da seine einen Großeltern Deutsche waren, die 1930 in das nördlicher gelegene Missiones (immer noch eine sehr deutsche Region) ausgewandert sind. Er ist der langgedienteste Lehrer der Schule und konnte mir, endlich mal ohne Sprachbarriere, ganz interessant schildern wie die Schule zur Anfangszeit aussah und wie z.B. die Stimmung in Argentinien während der Militärdiktaturen war. Er war auch Waldorfschüler an einer anderen Schule in Buenos Aires gewesen und schon als Schüler oft auf das Stück Land gefahren, damals noch in der Hand der Bauern.
Das Wochenende vorher habe ich, mit ein paar anderen Freiwilligen aus Buenos Aires, die Freiwilligen auf La Choza besucht, bei denen man sich ernsthaft gefragt hat, wie sie die heißen Tage auf den Feldern ohne Schatten überlebt haben. Anscheinend war es aber weniger problematisch als gedacht.
Außerdem hab ich mir hier schon vor längerer Zeit ein Longboard gekauft (eine Art Skateboart, nur länger mit größeren Rollen) mit dem ich mir immer mehr die Umgebung anschaue. Letzte Woche war ich damit hier am Ufer des Rio de la Plata, wo es auch Berge gibt zum herunterfahren (ansonsten ist Buenos Aires vollkommen platt). Auf jeden Fall hab ich dort eine große Gruppe anderer Longboarder getroffen, die dort regelmäßig fahren. Hoch gehts dabei dann immer mit Autos, die kurz anhalten, sodass man sich festhalten kann und einen dann hochziehen. Dort werde ich also denke ich öfters mal vorbeischauen. 
Ansonsten wird es immer wärmer und trotzdem wird alles auf Advend und Weihnachten getrimmt. Ein völlig komisches Gefühl in jedem Geschäft Weihnachtsmänner und Rehntiere zu sehen und dabei in 30°C unterwegs zu sein. Diese Woche hatten wir dabei aber nicht viel Arbeit, da der Hausmeister einen Hexenschuss hat und uns daher nicht wirklich Arbeiten geben konnte. 
Im Anhang also noch Bilder der Klassenfahrt,
Saludos 
David 

 
Mit dem Bus über den noch trockenen Feldweg






Platt und Felder so weit das Auge reicht

Ausgelaugtes und verbranntes Sojafeld des Nachbarbauerns


Tor zum Schulgrundstück




Sonntag, 11. November 2012

argentina, sunshine and happiness

Nachdem ich hier letztes Mal vom sich anbahnenden Sommer gesprochen hab, hat sich dieser ganz gut entwickelt gehabt. Wir hatten hier bis Donnerstag andertalb Wochen puren Sonnenschein. Was am Anfang noch ganz schön war, da man viel draußen machen konnte, war am Ende echt anstrengend. Tagsüber immer deutlich über 30 Grad im Schatten, von Temperaturen in der Sonne ganz zu schweigen und nachts auch nie unter 28 Grad. Dazu 70% Luftfeuchtigkeit, sodass man nur einen Finger bewegen musste und schon anfing zu schwitzen. Zum Glück wirkten auch die Argentinier sehr angestrengt durch das Wetter, man hatte also nicht das Gefühl, dass es im Sommer dann nochmal wesentlich heißer wird. Anscheinend war es eben auch untypisch warm für den Frühling. An den letzten Tagen gab es dann andauernd Stromausfälle, die auch die ganze Innenstadt betrafen und dort anscheinend ein ziemliches Verkehrschaos ausgelöst haben (die Ampeln haben ja nicht funktioniert). Ist nen bisschen die Frage, ob das einfach ne Sache von Überlastung aufgrund der vielen Klimaanlagen war oder andere Gründe hatte. Jedenfalls hatte es hier eigentlich seit Jahren keine größeren Stromausfälle mehr gegeben. Für uns hieß dies dann Kochen mit Taschenlampe zwischen den Zähnen und Essen im Kerzenschein;-)
Am Freitag gabs dann ein krasses Gewitter, bei dem wieder sämtliche Straßen abgesoffen sind und seitdem ist es kühl. Ganz interessant war, dass 5 Minuten vor der Gewitterfront eine riesen Wolke Libellen unterwegs war, die anscheinend von überall her vor dem Gewitter flohen und sich eben in einer großen Wolke über das Schulgelände verteilt haben. Plötzlich war die ganze Luft erfüllt von unendlich vielen Libellen, genau so, wie man sich eine Heuschreckenplage vorstellt, nur halt Libellen, die es hier eigentlich nicht übermäßig viel gibt. Das Phänomen hatte auch noch kein Lehrer der Schule jemals so erlebt. Nachdem das Gewitter vorbei war, dachte man eigentlich, dass die Libellen weitergezogen wären, aber viele haben bis zum nächsten Tag am Schulzaun übernachtet (siehe Fotos) und gestern war dann wieder alles voll mit Libellen. Eine sehr komische Atmosphäre. 
Ansonsten war hier dieses Wochenende ein Flohmarkt an der Schule, zu dem Eltern ihren ganzen alten Kram gebracht hatten und den dann zu Gunsten der Schule verkauft haben. Gemessen an dem, was hier vorbeigebracht wurde, merkte man dabei, dass diese Schule hauptsächlich von Schüler aus relativ gut betuchten Familien besucht wird. Von älteren Flachbildfernsehern bis zu Apple-Computern war alles dabei. Alles Sachen, die man nicht unbedingt bei den meisten Argentiniern in den Wohnungen vermuten würde...
Dieses Wochenende waren wir wieder mit anderen Freiwilligen unterwegs und sind gestern Nacht bei Argentiniern in der Wohnung gelandet, wo man mal sehen konnte, wie hier die ganz reichen leben. Im schönsten Villenviertel mit vielen Parks in einem sehr edlen Apartmenthaus mit Portier und Aufzug direkt in die Wohnung. Das ganze dann um die Ecke von der Innenstadt und der Avenida 9 de Julio. Auf dem Weg dahin viel dann wieder die argentinische Zeitauffassung auf. Nachts um 2 Uhr sind immernoch alle Restaurants voll mit Menschen (gerade gereifteren Alters), die sich ihre Fleischplatten genehmigen und keinesfalls so wirken, als wollten sie bald nach Hause.
Viele Grüße also ins kalte Deutschland und wo sonst noch dieser Blog gelesen wird,
David 
Kochen mit Taschenlampe (mit Blitz aufgenommen)

Kochen mit Taschenlampe (ohne Blitz)

candle light dinner


Libellen an unserem Zaun

... und fliegenderweise

Donnerstag, 1. November 2012

Einen Monat Argentinien, Steak und Großstadt

Und schon ist der erste Monat rum. 
Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Spanisch (oder Castellano, wie die ihre Sprache hier nennen) deutlich besser geworden ist und inzwischen für sämtliche Alltagssituationen ausreicht (natürlich noch mit Fehlern, aber man versteht mich). Außerdem findet man sich in der Stadt immer besser zurecht, mit all den Unterschieden zu Deutschland (Busse, Öffnungszeiten, der Größe der Stadt etc.).
Ein paar Unterschiede seien hier mal zum Besten gegeben: Mein Mitfreiwilliger ist Vegetarier und nach den ersten Wochen muss man sagen, dass dieses fleischgeile Land nichts für diese Art von Mensch ist. Wenn man hier ausdrücklich sagt, dass man Vegetarier ist, bekommt man einfach Gerichte mit Hühnchen, Schinken oder sonstigem Schweinefleisch angeboten. Vegetarier sind hier anscheinend nur Rindverächter. 
Weiter gibt es hier zwar Mautstationen, wie man sie aus Italien kennt, allerdings kommt es oft vor, dass bei langen Schlangen einfach alle anfangen zu Hupen und kurze Zeit später werden alle Schranken geöffnet und man kann durchfahren. Überhaupt ist das Verkehrssystem seltsam. Ich habe ja schon von den irrsinnig vielen Bussen geschrieben, die einem das Leben schwer machen (ich fahre mittlerweile eigentlich nur noch Bahn und U-Bahn). Bis vor kurzem war es dann zusätzlich noch so, dass alle in den Bussen bar zahlen mussten, Monatskarten oder so etwas gab es nicht. Das Problem war, dass man nur mit Münzen zahlen konnte, es aber eigentlich nur Papiergeld gibt. Daraus ergab sich in dieser Riesenstadt ein Münzmangel, sodass zum Teil 1 Peso Münzgeld für 2 Peso Papiergeld auf der Straße verkauft wurden. Vor einigen Monaten wurde nun ein neues System mit einer Guthabenkarte eingeführt, mit der man in jedem Bus/Bahn/U-Bahn bezahlen kann und die man an jedem Kiosk aufladen kann. Ich hab also Glück. Ansonsten sind die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sehr niedrig. Ich zahle z.B. 90 Centavos (15 Cent) für die halbe Stunde Zugfahrt in die Innenstadt.
Das mit dem Geld ist hier eh so eine Sache. Hier ist im Moment eine krasse Inflation im Gange die im 25% beziffert wird. Wegen der sich anbahnenden Flucht in andere Währungen hat man deren Erwerb hier jetzt komplett unterbunden. Man kommt also als Argentinier an keiner Bank mehr an ausländischen Währungen. Dafür wird man als Ausländer jetzt aber an jeder Ecke angesprochen, ob man nicht Euros oder Dollars dabei hat, die man dann zum andertalbfachen des wirklichen Kurses eintauschen kann. Von der Regierung wird diese Inflation derweil einfach geleugnet, obwohl selbst ich, allein in diesem einen Monat deutliche Preissprünge mitbekommen habe. Leider kommt der Euro im Umtauschkurs nicht ganz mit, weswegen Argentinien nicht wirklich billiger ist als Deutschland wenn es um Essen, Kleidung oder Eintrittspreise geht. Dazu kommt noch, dass der größte Schein, der 100 Pesoschein ist, also sagenhafte 17 Euro. Man rennt also immer mit großen Bündeln Geld herum, wenn man mal etwas mehr bezahlen muss.

So, am Wochenende war ich wieder in der Stadt unterwegs, einmal im Stadtteil La Boca. Einem ärmlichen Stadtteil der Hafenarbeiten, die früher immer die Reste der Schiffslacke für ihre Häuser bekommen haben und daher das ganze Stadtviertel bunt war. Mittlerweile beschränkt sich dass noch auf drei kurze, für Touristen aufgemachte Straßen, die inmitten des ansonsten völlig durchschnittlichen Stadtteils liegen. Da ist dann aber der Bär los und alles voll mit Touristen, Tangotänzern und Boca Juniors Fanshops. Als ich da war, fand zufällig auch gerade das wohl sehr brutale Stadtderby Boca Junios vs. Riverplate (der arme Süden "Boca" gegen den reichen Norden "River Plate" der Stadt) statt. Zwar im River Plate Stadion, welches bei uns um die Ecke im Norden liegt, aber trotzdem waren die Straßen voll mit Boca-Fans, die ihre Fernseher auf der Straße aufgebaut hatten und alle am gucken waren. Auf dem Rückweg hab ich dann die ganzen River-Fans getroffen, die aus dem Stadion strömten.
Danach hab ich mir dann noch das, dem Capitol in Washington nachempfundene Nationale Capitol angeschaut. 
Heute war ich mal bei einem Volleyballverein in der Nähe zum Probetraining. Zwar haben die bald Sommerpause, aber danach fange ich dann denk ich da an. Sport ist einfach die beste Methode hier mit Leuten aus dem Viertel in Kontakt zu kommen. 
Mittlerweile haben wir hier übrigens, sobald die Sonne scheint, gut 27-30 Grad. Der Sommer bahnt sich also an.
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
Hafenanlagen in La Boca

Touristenecke in La Boca

Touristen, Touristen, Touristen


Public-Viewing in Argentinien

Die besagten Häuser

La Bombonera (Stadion von La Boca) erhebt sich über das Viertel

Avenida 9 de Julio, die breiteste Prachtstraße der Welt (Argentinier kennen nur Superlative, die Wahrheit der Aussage wird bezweifelt)

Das Capitol

 
 

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Jaja, manchmal arbeiten wir auch

An dieser Stelle jetzt endlich mal etwas zu der Arbeit, die ich hier verrichte. Ich bin hier an einer Waldorfschule zusammen mit einem anderen Freiwilligen der Hilfshausmeister. Das heisst, es gibt einen festangestellten Hausmeister, welchen wir unterstützen. Außerdem gibt es noch einen Pförtner, der ebenfalls viele Tätigkeiten übernimmt, die Sache von Hausmeistern sind.
Ein Tag sind dann folgendermaßen aus, wir stehen morgens gegen 7:30 auf, frühstücken und treffen uns um 8 mit dem Hausmeister an der Werkstatt. Er erklärt uns dann, was am Tag so alles zu tun sei oder bespricht mit uns, was man am besten als nächstes machen könnte. Oft sind es Reparaturarbeiten, die ihm von Lehrern oder den Kindergärtnerinnen des nahegelegenen Waldorfkindergartens angetragen worden sind: Stühle reparieren, Gardinen aufhängen, bei Veranstaltungen Stühle und Tische herumtragen, Rasen mähen, Müll aufsammeln, Schlösser und Steckdosen austauschen oder den ständig kaputten Basketballkorb reparieren usw. Außerdem gibt es immer wieder größere Baustellen, an denen man dann mehrere Tage arbeitet. So z.B. ein Rondell, welches wir in der letzten Woche gemauert haben oder ein kleiner Teich, der kurz vor meiner Ankunft gebaut wurde. 
Diese Tätigkeiten gehen dann so bis 10 Uhr, bis wir uns zum Pförtner setzen und Mate trinken. 
Für alle die es nicht kennen: Yerba Mate ist ein Strauch der im Norden von Argentinien wächst und dessen stark koffeinhaltige Blätter in ganz Argentinien mit heißem Wasser aufgegossen in extra Matebechern (meist ein bearbeiteter Kürbis) mit einem eisernen Strohhalm getrunken werden. Dabei wird der Becher fast bis oben hin mit den geschredderten Blätten gefüllt und immer nur ein paar Schluck heißes Wasser aufgegossen. Das ganze wirkt dann wie ein Ritual, es wird immer nur aus einem Becher getrunken, der reihum geht und immer vom Besitzer des Bechers neu mit Wasser gefüllt wird. Das Zeug ist extrem stark und je nach Sorte gerne mal bitter aber eben gut aufputschend. 
Die ersten Missionare hatten es anfangs wohl einige Zeit verboten, bis sie merkten, dass die Indianer wesentlich härter arbeiten konnten, solange sie ihren Mate hatten. 
Man trinkt Mate hier überall, bei Arbeiten, im Unterricht oder beim Einkaufsbummel, deswegen rennen hier auch alle mit Thermosflaschen unter dem Arm und dem Becher mit Bombilla (Strohhalm) in der Hand herum.
Das geht dann jedenfalls im Schnitt bestimmt eine halbe Stunde, bevor man die Arbeit bis 12:30 Uhr fortsetzt. Dann haben wir bis 13:30 Mittagspause und arbeiten danach noch bis 16/16:30 Uhr weiter. Am Anfang hatte ich kaum glauben können, dass die für mein Verständnis relativ kleine Schule genug Arbeit für die vielen Arbeitskräfte abwerfen könnte, aber bisher waren wir immer gut beschäftigt. Was vielleicht auch an den vielen provisorisch geflickten Gegenständen in der Schule liegt, die nie besonders lange halten. Der typische Argentinier flickt wohl eh nur alles mit Draht, wie es im Volksmund heisst (für die Kanadier war das Wundermittel damals das duct tape). Besonders haltbar ist das natürlich nicht.
So arbeiten wir 5 1/2 Tage die Woche (Montags bis Samstagmittag), wobei wir uns einen Nachmittag freinehmen dürften, diesen jedoch im Moment lieber als jeweils halben Ferientag ansparen.
Die Schule selber besteht, ähnlich wie die dortmunder Schule aus zwei Hauptgebäuden (nur kleiner) für die Ober- und Unterstufe und wurde vor ich glaube um die 50 Jahren von einer Deutschen gegründet. Diese Frau wohnt immernoch in der Nähe, ist jedoch mittlerweile schwer dement und kommt nur selten auf das Schulgelände.
Eigentlich hatte ich heute mehrere Fotos gemacht, leider sind viele davon aus unerklärlichen Gründen nicht zu öffnen, ich werd also morgen nochmal neue machen. Hier aber schonmal ein paar:

Roberto, der Pförtner


Der Hausmeister an unserem Rondell

Unsere Werkstatt


Blick über die Schule
Mate-Pause


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Puerto Madero, Klassenfahrt und Stromausfall

Die Woche bisher war noch nicht besonders spektakulär, da es die letzten Tage viel geregnet hat und man deswegen schlecht rauskam. Aber trozdem gab es interessante Dinge. 
Am Sonntag war ich mit drei weiteren Freiwillige, welche nach der Geburtstagsfeier einer Freundin am Samstag bei uns übernachtet haben in der Innenstadt und wir wollten uns das moderne Hafenviertel Puerto Madero und das dahinterliegende Naturschutzgebiet anschauen. Leider fiel unser Zug aus, da jemand kurz zuvor darunter geraten war, sodass wir auf Busse umsteigen mussten. Eigentlich ist es kein Wunder, dass hier so etwas passiert, wo alle Türen der Züge stehts offen stehen und Leute auf den Stufen davor sitzen. 
Jedenfalls haben wir uns in Richtung Puerto Madero aufgemacht, welcher direkt an die Innenstadt angrenzt, aber ein fast gegensätzliches Bild aufweist als der Rest der Stadt. Während die Innenstadt eng, voll, laut, dreckig und wenig grün ist (ohne das jetzt negativ zu bewerten, es ist denke ich halt einfach südamerikanisch), ist Puerto Madero weit, modern, clean und grün. Man kann den Stadtteil ein wenig mit der Speicherstadt in Hamburg vergleichen: ein ehemals hässliches Hafenviertel, was in den letzten Jahren durch moderne Bauten veredelt wurde. Mittenhindurch durch den Stadtteil geht ein Kanal, welcher die Insel auf der Puerto Madero liegt vollständig vom Festland trennt. Dahinter liegt ein großes Naturschutzgebiet, welches am Wochenende Ausflugsziel für tausende Porteños (Bewohner von Buenos Aires) ist. Auf der Insel fühlt man sich auf jeden Fall, wie in einer anderen Stadt, obwohl man nur 500 Meter vom Plaza de Mayo entfernt ist. Hier erkennt man auch das weltstädtische, welches einem in den engen Straßen von Buenos Aires sonst nicht so auffällt. Bilder gibt es weiter unten.
Mitte dieser Woche sollte ich dann eigentlich mit der 7. Klasse der Schule auf Klassenfahrt gehen, leider hat es die Tage vorher zu stark geregnet, sodass das Ziel der Fahrt, ein schuleigenes Stück Land in der Pampa, über die unbefestigten Straßen nicht mehr zu erreichen war. Wahrscheinlich wird die Fahrt aber in zwei Wochen nachgeholt, sodass ich dann mitkann. 
Außerdem kann ich berichten, dass wir seit zwei Tagen keinen Strom mehr haben. Leider sind die Sicherungen des Hauses dermaßen alt, dass sie nichtmehr produziert werden, sind aber so angebracht, dass sie bei starkregen Regen nass werden und kapputt gehen. Die Stromgesellschaft, die eigentlich nach 3 Stunden kommen und neue Sicherungen mitbringen wollte, ist leider immernoch nicht gekommen und ist nur immer "auf dem Weg und gleich da" wenn man sie anruft. Wir haben jetzt ein Kabel aus der Schule zu uns rüberliegen, können aber leider neben dem Kühlschrank nur begrenzt Geräte anschließen, da es sonst die Steckleiste überlastet. Aber wie ihr seht, komme ich noch ins Internet, allzu schlecht ergeht es uns also auch nicht;-) 
In den nächsten Tagen werde ich mir dann mal Zeit nehmen, etwas mehr über die Arbeit und meine Arbeitstage zu schreiben. Hier hört sich ja alles noch nach Tourileben an, obwohl ich eigentlich 5 1/2 Tage die Woche arbeite...
Grüße aus Buenos Aires
David 
Die Plaza de Mayo

Blick auf den Obelisken

Innenstadt

Puerto Madero

Aha, eine Naturschutzgebiet also. Müllentsorgungsgesellschaft Rio de la Plata


deutsche Ingenieurskunst in Argentinien

Puerto Madero



Samstag, 13. Oktober 2012

Die Zweite Woche

Am Dienstag war ich also auf dem internationalen Kneipenabend in der Innenstadt. Eine echt geniale Veranstaltung: diesen Dienstag waren es ungefähr 50 Leute aus aller Herren Länder, die aus welchen Gründen auch immer gerade in Buenos Aires sind und andere Menschen kennenlernen wollen. 
Man klebt sich bei dem Treffen erst einmal die Flagge des Herkunftslandes an die Brust und dann je nach Sprachvermögen die jeweiligen Flaggen darunter, es ist also relativ einfach herauszufinden, woher das Gegenüber kommt und ob man sich mit ihm unterhalten kann. Ich habe unter anderen mit Kolumbianern, Kanadiern, US-Amerikanern, Deutschen, Österreichern, Uruguayern, Argentiniern, Chilenen und Spaniern geredet, die zum Teil als Studenten, als Backpacker, auf Geschäftsreise oder halt weil sie hier schon immer wohnen in Buenos Aires waren. Ich war mit meinem Mitbewohner dort und fast hätten wir den letzten Zug um 1 Uhr verpasst, weil die Veranstaltung sich noch nicht im Mindesten aufzulösen begann und man die Zeit komplett vergessen hat. Also ein wöchentliches Event haben wir jetzt auf jeden Fall schonmal, um die sonst recht unspektakulären Feierabende zu füllen.
Donnerstag hab ich mich dann mal auf einem alten Fahrrad was hier rumstand Richtung Rio de la Plata aufgemacht. Bis zum Ufer sind es von hier nur 5km, allerdings ist das Wasser leider zu verschmutzt zum Baden. Trotzdem ist das Ufer echt schön, mit einem Naturschutzgebiet, zig Windsurfschulen und vielen Parks. Dazu ist dort ein absolutes Reichenviertel, was dementsprechend schön ist. Der Blick der sich von da bietet mach es dann auch nochmal lohnenswert, da man links das Delta des Paranas sieht und rechts auf die Skyline von Buenos Aires gucken kann, welche auf der anderen Seite einer Bucht liegt und dementsprechend nicht verdeckt ist (siehe Bilder). 
Heute ist richtig gutes Wetter (in der Sonne wird es jetzt schon 30°C warm) und ich schau mal, dass ich später in die Stadt fahre um mir mal das moderne Hafenviertel anzuschauen. 
Viele Grüße aus Buenos Aires
David
Paranadelta

Skyline




 

 

Montag, 8. Oktober 2012

Nach einer Woche

Und schon ist die erste Woche vergangen... 
Mittlerweile war ich mehrfach im Zentrum, hab mich in das hiesige Mobilfunknetz eingegliedert und kann vom Nachtleben der Stadt berichten.
Also, nachdem am Mittwoch wieder ein diesiger Tag war (man merkt das der Frühling grad erst begonnen hat), bin ich am Donnerstag nach der Arbeit endlich mal Richtung Stadt gefahren. Wir wohnen hier ja etwas außerhalb, haben aber in ca. 2km Entfernung einen Bahnhof, von welchem Züge direkt bis zum Hauptbahnhof fahren. Man ist also, wenn man Glück hat, in 45 Minuten in der Innenstadt. Im Bus zur Plaza de Mayo, einem der zentralen Plätze in Buenos Aires, an dem auch die Casa Rodada (Amtssiz des Staatspräsidenten) und das Rathaus stehen, wurde ich von einer Frau gewahrnt, dass es heute wohl sehr gefährlich werden würde in der Innenstadt. Irgendwas mit vielen Menschen und Polizisten. Genau rüberbringen, worum es sich handelte konnte sie nicht. Gepaart mit den hunderten Warnungen aller möglichen Leute vor der gefährlichen Innenstadt, war auch diese Dame nicht besonders hilfreich. Letztendlich bin ich aber weitergefahren und bin auf eine, zu diesem Punkt, absolut friedliche Demo gestoßen. Am Obelisken entlang bin ich dann wieder Richtung Bahnhof gelaufen und war abends wieder in Villa Adelina. Fotos kann ich leider noch nicht vorweisen, da mir geraten wurde, bei der ersten Fahrt in die Stadt, welche entlang entlang diverser Villas führt (argentinische Variante von Favelas), noch keine unnötigen Wertgegenstande mitzunehmen. Jedenfalls war es schonmal ein erster Eindruck. 
Freitag hab ich dann mal ausprobiert hier zu joggen. Leider ist die Situation hier absolut suboptimal. Man läuft im Feierabendverkehr an riesigen Straßen entlang und über Kreuzungen ohne Ampeln. Ich muss mir also irgendwie andere Möglichkeiten zum Sportmachen suchen.
Samstag waren hier 6 andere Freiwillige der "Freunde" zu Besuch, eigentlich nur zum Grillen und Chillen, letztendlich sind wir aber noch zu Bekannten des einen in die Stadt gefahren, welche wiederum um 5 Uhr morgens auf die Idee kamen, noch in eine Bar/Disko zu gehen. Da sind wir so um 5:30 Uhr angekommen, es dämmerte sage und schreibe bereits, und sind bis Ladenschluss um 8 geblieben. 
Irgendwie essen die Argentinier also nicht nur spät zu abend, sondern haben das Konzept auch auf die sonstige Nachgestaltung ausgedehnt. 
Auf jeden Fall hatte eine Freiwillige für den Sonntagmorgen Gratiskarten für das berühmte Teatro Colon geholt, wo um 11 Uhr ein Percussionkonzert auf dem Programm stand. Nach einem kurzen Frühstück bei einer zentral wohnenden Freiwilligen sind wir, mittlerweile nur noch zu viert unterwegs, also dahin. Ein total beeindruckendes Gebäude wie aus einem Film und sehr bequemen Sitzen, welche geradezu zum Schlafen verleitet haben. Zum Glück war das Konzert echt gut, sodass ich nicht eingeschlafen bin. Nach einem Rundgang durch die Innenstadt war ich dann Sonntagnachmittag wieder zu Hause. Ich würd also sagen, eine würdiges erstes Wochenende in Buenos Aires;-)
Heute war Kolumbustag, bzw. ist der erst am 12., wurde aber aus Gründen der Wochenendeverlängerung auf heute verlegt (ein Argentinier hat ihn mir sarkastisch als den Tag, an dem man das Ende der Indiana feiert erklärt). Auf jeden Fall hatten wir frei und ich konnte mich mal meinem Spanischkurs in Buchform widmen. 
Morgen werde ich in die Innenstadt zu einem wöchentlich stattfindenden Sprachtreffen gehen, wo anscheinend alle möglichen Leute mit Fremdsprachbedürfnissen hinkommen. Wahrscheinlich vornehmlich Freiwillige oder Argentinier die gerade eine Fremdsprache lernen. Auf jeden Fall hoffentlich eine Gelegenheit auch mal Einheimische besser kennenzulernen...
Also, schönen Gruß aus Buenos Aires
David

Dienstag, 2. Oktober 2012

Erste Tage



So, hier mal ein kleines Update. Die beiden ersten Arbeitstage sind schonmal problemlos verlaufen, ich durfte Haken aufhängen, Fliesen legen, Schlösser reparieren usw. Da der Chefhausmeister ein bisschen Englisch kann, war die Verständigung gut möglich. Trotzdem versucht er und auch ich immer wenn es geht Spanisch zu sprechen. Das Sprechen klappt da schon ganz gut, größere Probleme bereitet das Verstehen;-) Heute war ein Regentag, aber morgen fahre ich dann vielleicht nach der Arbeit endlich mal ins Zentrum. Hier nochmal ein paar Bilder von der Schule und meiner Hütte:
Unsere Straße. Rechts das Schulgelände, links ein Golfplatz

Das Schultor

Unsere Hütte

Schuleingang

Sonntag, 30. September 2012

Angekommen

Also, ich bin gestern gut in Buenos Aires angekommen. Mein Flug ging ja über Sao Paulo, wo ich drei Stunden Aufenthalt hatte, sodass ich dann Samstag um 11:30 hier in Buenos Aires gelandet bin. Ich wurde von meinem Mitfreiwilligen (einem Freiburger) und dem verbliebenen Freiwilligen des letzten Jahres abgeholt. Diesen hab ich dann sage und schreibe 5 Minuten kennenlernen dürfen, da sein Flug nach Deutschland kurz später am Samstagmittag ging. Wir sind dann mit dem Taxi zu unserem Hüttchen hier gefahren. Eine einstündige Fahrt durch endlose Vorstädte und Betonwüsten, aber so bekam man schonmal ein gutes Bild von der Größe der Stadt.
Nach einer halben Stunde in unserer Hütte ging es dann wieder los, wieder eine Stunde durch die Vorstädte, diesmal auch durch eine ganze Reihe von äußerst ärmlichen Slum-Gegenden mit großen Müllkippen daneben. Ziel war die Farm La Choza wo fünf weitere Freiwillige unserer Organisation ihr Jahr verbringen und wo das Frühlingsfest gefeiert wurde, eine der typischen Waldorfveranstaltung mit entsprechend vielen deutschsprechenden Menschen. Die Farm, unter anderem Lieferan der örtlichen Weleda, liegt weit außerhalb von Buenos Aires an einer Landstraße in der wortwörtlichen Pampa. An sich wunderschön und bestimmt auch ein super Ort um ein Jahr zu verbringen, aber dermaßen abgelegen (ohne Taxi kaum zu erreichen), dass man vom argentinischen Leben und der Stadt nur wenig mitbekommt.
Heute morgen dann wieder zurück, was hieß knappe drei Stunden Bus bis in die Stadt und dann weitere andertalb zu uns raus. Das Problem, welches jede Fahrt hier in die Länge zieht, sind die Busse, welche nach Lust und Laune kommen, man sich also, wie bei uns heute der Fall, gerne mal eine Stunde an die Haltestelle stellen muss, bevor überhaupt ein Bus vorbeikommt. Bei diesen ist dann auch noch ein sehr ausgefallenes System, welches einem die Weiterfahrt erschwert: die 800 Buslinien hier in Buenos Aires haben auch noch eine interne Einteilung, sodass nur jeder ca. 8. Bus überhaupt in die gewollte Richtung fährt und man so nie weis, welchen Bus man nehmen muss.
Im späten Nachmittag heute konnte ich dann erst meine Sachen auspacken, in einer Wohnung, die in den letzten Monaten sehr runtergewohnt worden war und daher gerade fast drei Stunden lang in gemeinsamer Arbeit geputzt und aufgeräumt werden musste.
Wir wohnen am Rand des Schulgeländes der Waldorfschule an einer ruhigen Straße nahe der Panamerika im Norden von Buenos Aires. Morgen soll ich dann vor der Schule vorgestellt werden bevor wir mit der für uns zuständigen Lehrerin anscheinend in eine Tankstelle essen gehen werden;-)
Güße aus Buenos Aires
David

Sonntag, 23. September 2012

Prolog

Liebe Verwandte, Bekannte, Spender und Freunde,
auf diesem Blog will ich versuchen im nächsten Jahr regelmäßig über mein Jahr in Argentinien zu schreiben und die Interessierten auf diese Weise ein wenig daran teilhaben zu lassen.

Also erstmal zu den Fakten: mir verbleiben noch 5 Tage in den deutschen Landen, bevor ich am Freitagabend Richtung Buenos Aires starte. Dort werde ich dann hoffentlich wohlbehalten am Samstagmittag ankommen, nachdem ich in Sao Paulo 3 Stunden Station gemacht habe.

Der Plan für die nächsten 11 Monate sieht dann wie auch immer geartete hausmeisterliche Arbeit in der "Escuela San Miguel" etwas nördlich von Buenos Aires-Innenstadt vor...
Die Schule ist eine Waldorfschule, welche von der 1. bis zur 12. Klasse geht. Ich werde dort, zusammen mit einem weiteren Freiwilligen, den ich schon von den Seminaren kenne in einem Hüttchen auf dem Schulgelände wohnen und unter Anleitung eines "Chefhausmeisters" was immer anfällt erledigen (soweit die Theorie, mal schaun wie es mit der Praxis wirklich ausschaut)
Habe grad nochmal länger mit meinem Mitstreiter, der schon dort ist, geskyped. Mich erwartet dort schönes Frühlingswetter, der zweite meiner 3 Sommer in Folge ist also im Anmarsch;-)
Bisher bestand meine Vorbereitung vor allem aus dem 1 1/2 wöchigen Vorbereitungsseminar Anfang August mit den ca. 80 weiteren "Lateinamerika-Freiwilligen" der Organisation und mehreren ehemaligen Freiwilligen. Außerdem habe ich in den letzten Wochen versucht, die Grundlagen der spanischen Sprache zu durchsteigen, um in Argentinien einen einfacheren Einstieg zu haben.
So, mehr interessante Dinge vorweg fallen mir erstmal nicht ein, ich denke ich melde mich dann aus Buenos Aires wieder.
Gruß David